Editorial
TdZ+ ProFreundschaft im Theater? Das gibt es nicht!
Einleitung
von Anna Luise Kiss
Erschienen in: Freundschaft im Theater – Eine Suche auf und hinter der Bühne (11/2026)

Irgendwo in Deutschland in der Küche eines Schauspieler-Ehepaares. Ich erzähle von dem Plan der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin, ein Buch über Freundschaft im Theater herausgeben zu wollen. Anlass sei das dreißigjährige Jubiläum des Freundeskreises der HfS Ernst Busch. Die Reaktion wortwörtlich: „Das wird aber ein dünnes Buch! Freundschaft im Theater? Das gibt es nicht!“
Aristoteles steht für viele, die sich mit dem Phänomen der Freundschaft auseinandersetzen, ganz am Anfang. Er ist mit seiner Nikomachischen Ethik der „allgegenwärtige Bezugspunkt für Freundschaftstheorien“ (Bude 2008, S. 7). Der Philosoph unterscheidet drei Formen der Freundschaft: die Nutzen-, die Lust- und die Tugendfreundschaft (vgl. Aristoteles 1983, 1155b 34–1156b 28, S. 216–218), doch nur die eine, tugendhafte Freundschaft, die sich nicht auf Nutzen und äußere Annehmlichkeiten gründet und keine Asymmetrien zwischen den Befreundeten kennt, ist für ihn die wahre Freundschaft (vgl. Aristoteles 1983, 1156b 9–28, S. 218 und 1162b 13–1163a 9, S. 238 f.). „Vollkommene Freundschaft ist die der trefflichen Charaktere und an Trefflichkeit einander Gleichen“ (ebd., 1156a 20–b 8, S. 217). Damit hat er „die Freundschaft als eine Form der Tugend mit existenzieller Relevanz bestimmt“ (Bude 2008, S. 7).
Zugegeben, folgt man dieser Freundschaftsdefinition, die in der Tradition der griechischen Philosophie (Platon, Aristoteles,...















