Essay
TdZ+ ProKassandra – Das Ende der Ereignisse
Theater als Übungsraum der Freund:innenschaft
von Rosa Rieck
Erschienen in: Freundschaft im Theater – Eine Suche auf und hinter der Bühne (11/2026)
Assoziationen: Berlin RambaZamba Theater

Vor meinem inneren Auge imaginiere ich eine Bühne. Darauf: ein paar Menschen. Was müssten die jetzt machen, damit ich denke: „Aha, das sind Freund:innen“?
Als ich beginne, mir davon Vorstellungen zu machen, verschiebt sich meine Frage: Was müssten die jetzt machen, damit ich denke: „Aha, wir sind Freund:innen“?
Gibt es ein Wort, einen Blick oder eine Geste? Kann man die Erfahrung von Freund:innenschaft im Theater herstellen? Oder ist Theater als geteilter Raum, in dem viele Körper miteinander Zeit verbringen, von vornherein schon eine freund:innenschaftliche Erfahrung?
Um zu überlegen, wie Freund:innenschaft auf der Bühne entsteht und wie sie sich von dort in den Zuschauer:innenraum ausbreiten kann, begebe ich mich auf eine heikle Reise: die Suche danach, was Freund:innenschaft ist. Ich starte diese Reise mit einem Unbehagen.
Ich habe das Gefühl, schon die Definition einer Beziehung quetscht mich durch ein enges Nadelöhr. Sobald wir ein Wort für die Art und Weise benutzen, wie wir zusammen sind, haben wir bestimmte Bilder davon im Kopf und hoffen auf deren Erfüllung. Vor allem in romantischen Begegnungen gleichen wir die inneren Bilder mit der tatsächlichen Erfahrung ab. Die Bilder von Romantik, Liebe und Familie, die vor unserem inneren Auge entstehen, sobald wir einander berühren, speisen sich...
















