Essay
TdZ+ ProShakespeare, Brecht, Müller
Freundes-Kreise und Netz-Werke
von Holger Teschke
Erschienen in: Freundschaft im Theater – Eine Suche auf und hinter der Bühne (11/2026)
Assoziationen: Berlin Berliner Ensemble

„der einwand gegen shakespeares autorschaft, ein so ungebildeter mensch könne nicht solche stücke geschrieben haben, ist hinfällig. wie wenig aufgeschnapptes wissen gehört dazu, auf der bühne den anschein tiefer wissenschaft zu erwecken. so wie der schauspieler, auch wenn er dumm ist, kluge menschen spielen kann, einfach, indem er ihren gestus kopiert, kann auch der dramatiker, wenn unwissend, in seinen stücken wissen ausstellen. er braucht nicht wissen zu erwerben, er braucht nur wissende zu beobachten, und vor allem muß er nicht ein wort mehr wissen, als er für seinen text braucht. was mich veranlaßt zu glauben, daß ein kleines kollektiv die shakespearestücke angefertigt hat, ist nicht, daß ich glaube, ein einzelner mensch könne diese stücke nicht geschrieben haben, weil nicht ein einzelner mensch zugleich so dichterisch begabt, vielfach versiert und allgemein gebildet sein könnte. ich finde die stücke nur rein technisch so montiert, daß ich die arbeitsweise eines kollektivs zu erkennen glaube. das kollektiv braucht nicht immer von gleicher zusammensetzung gewesen zu sein, es kann sehr locker gearbeitet haben, shakespeare kann die entscheidende persönlichkeit gewesen sein, er kann lediglich gelegentliche mitarbeiter gehabt haben usw., aber ebensogut können die leitenden ideen von irgendeinem hochstehenden mann gekommen sein, der shakespeare dann ständig benutzte....

















