Essay
TdZ+ ProFreundschaft!
Ein Streifzug in kurzen Szenen auf und hinter der Bühne
von Thomas Irmer
Erschienen in: Freundschaft im Theater – Eine Suche auf und hinter der Bühne (11/2026)
Assoziationen: Berlin Theater an der Parkaue

Michel de Montaigne eröffnet seinen Essai Über die Freundschaft mit dem Beispiel eines Autors, den er persönlich zunächst gar nicht kannte. Er erfuhr von einem Dritten, dass dieser bewunderte Autor bei seinem Tod als Zeichen seiner Freundschaft Montaigne seine Papiere und seine Bibliothek hinterlassen werde. Die beiden Männer lernten einander dann kennen, und Montaigne rühmt rückblickend diese Geste der Freundschaft, auf deren Grundlage sie tatsächlich Freunde wurden. Von dem Nachlass ist keine Rede mehr, nur das Schriftstück seiner Verfügung ist in Montaignes Händen, an dem er ganz besonders hängt. Das Beispiel zeigt, wie die literarische Kultur zwei Menschen zusammenbringt und zu Freunden werden lässt, worauf in der folgenden umfangreicheren Abhandlung Montaigne Freundschaft von den zwischenmenschlichen Verbindungen der natürlichen Art (Familie) und der sozialen Stiftung (Ehe) abgrenzt. Damit rückt Montaigne Freundschaft in den Bereich der Kultur (vgl. Montaigne 1986).
Am 16. November 1950 wird in Berlin das Theater der Freundschaft als staatliches Kinder- und Jugendtheater eröffnet. Bis heute ist es das einzige reine Theaterhaus im gesamten deutschsprachigen Raum, das je ‚Freundschaft‘ im Namen getragen hat. Die Eröffnungsinszenierung, Gustav von Wangenheims Du bist der Richtige, ist ein Agitprop-Stück, das den Aufbau der DDR durch Mitglieder der Jugendorganisation FDJ anfeuern soll. Deren...

















