Zwischen Hyänenrudel-„Dreigroschenoper“, nebelverhangener „Hamletmaschine“ und Democratic Disco zeigt das erste Brechtfestival unter neuer Leitung, wie politisches Theater über Assoziationsräume statt Deutungshoheit funktioniert.
Kommen die Bösen immer davon? „Die Hamletmaschine“ von Heiner Müller in einer Inszenierung von Lilli-Hannah Hoepner vom Staatstheater Augsburg beim diesjährigen Brechtfestival.Foto: Jan-Pieter Fuhr
„Schau mal Mutti, die machen da eine Democratic Disco am Samstag, da kann man seine Lieblingssongs spielen lassen“ – „Und was hat das mit Brecht zu tun?“ – „Ist doch vielleicht auch egal, wenn die Leute auf dem Festival feiern und sich wenigstens kurz fragen, wer Brecht war, ist doch schon gewonnen, oder?“
Unter dem Motto „Alle“ möchte das Leitungsteam Sahar Rahimi und Mark Schröppek Schwellen senken und die Stadtgesellschaft ansprechen (siehe dazu auch das Interview von Lina Wölfel). Dieses Gespräch im Publikum wirkt angesichts der darauffolgenden Vorstellung von Brechts „Dreigroschenoper“ auf dem diesjährigen Brechtfestival in Augsburg fast ironisch. Schließlich wird dem Theaterstück mit seinen 22 abgeschlossenen Gesangsnummern gern nachgesagt, es sei beißende Gesellschaftskritik, verpackt in eingängiger Musik. Politische Bildung durch Gassenhauer. Ob diese Kapitalismusparabel auch heute noch tief ins Fleisch schneidet oder vielmehr ein zahnloser Tiger ist, untersucht Regisseurin Sapir Heller in der von ihr konstruierten Hyänenwelt. Hier wird eine lange Festtafel vor einem umgestürzten Fischlaster zum Fress-und Schauplatz des entfesselten Raubtierkapitalismus. Die Metapher ist bestechend einfach: Wo jeder einfach jeden frisst (weil er ihn fressen muss), kann von der Moral nicht viel übrig bleiben.
Statt einer schmutzigen Halbwelt, in der bürgerliches Geschäftsgebaren und Verbrechen ineinanderlaufen, dominiert...
Erschienen am 10.3.2026
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