Paradiese! Ausschweifende Gärten. Versteckte Terrassen. Großzügig restaurierte Höfe. Oldtimer-Sammlungen in ehemaligen Ställen. Zum Horizont reichende Weiden. An Platz scheint es nicht zu mangeln in Seefeld, einem Dorf östlich des Jadebusens. Doch was heute als stabiler Boden erscheint, war bis zum 17. Jahrhundert von Sturmfluten bedrohtes Marschland. Unter Führung der Oldenburger Grafen wurden Deiche gebaut und Böden entwässert. Bis heute garantieren diese zwei Technologien die stabilen Lebensbedingungen vor Ort. Nur manchmal wird einem die Fragilität der Landschaft körperlich bewusst: Zu Besuch bei einem ehemaligen Wirt, der uns seine noch gut erhaltene Gaststube zeigen will, werden wir plötzlich zur Vorsicht angehalten. Mitten im Gang befindet sich eine Stufe – der Neubau, der hier an den alten Gasthof anschließt, ist über die Jahrzehnte um gut zwanzig Zentimeter abgesunken. Irgendwann wird ihn sich der Boden wieder einverleibt haben.
Die intensiven Beziehungen, die Menschen mit den urbanen oder ruralen Landschaften eingehen, in denen sie siedeln, und die sozialen Gemeinschaften, die sich daraus ableiten, stehen immer wieder im Fokus unserer Künstler*innengruppe Syndikat Gefährliche Liebschaften. Anlässlich des dreißigsten Jubiläums des Kulturzentrums Seefelder Mühle waren wir eingeladen, eine ortsspezifische Arbeit zu entwickeln, in die möglichst viele Einwohner*innen eingebunden sein sollten.
Unser im Kontext der Hildesheimer Kulturwissenschaft gegründetes Syndikat...