Einleitung
Erschienen in: Recherchen 171: Nebenfiguren (11/2024)
Die Typisierung scheint das Schicksal der Nebenfigur, die Typologie das Raster, durch das ihre Auftritte organisiert werden. Auf die Zweidimensionalität, die den Nebenfiguren vielfach attestiert worden ist, antwortet in der Ökonomie der Figurengestaltung (vor allem in den visuellen Medien) eine Ausstattung mit besonderen Kennzeichen und Eigenarten, die dazu verwendet werden, die Nebenfigur physisch, ethnisch, sozial etc. zu markieren. Zum Stereotyp, auch: zu den verschiedenen Formen der Diskriminierung, unterhalten die Routinen dieser Ausstattung ein ziemlich direktes Verhältnis. Und dass die Nebenfiguren, wie gelegentlich behauptet, auch ein Surplus freisetzen, ist keineswegs gesichert, selbst wenn die Behauptung ihres Eigensinns im Diskurs über die Auftritte aus der zweiten oder dritten Reihe zu den zentralen Topoi gehört.
Aufschlussreicher als die Typologie der Ausstattung ist die der Funktionen, die weit in die Geschichte der bildenden Kunst und in die des Theaters zurückreicht. Fraglos sind beide Typologien intrinsisch verbunden, wie unter anderem Denise Murrell in ihrer Studie über die Black Models in der Malerei der Moderne gezeigt hat.1 Jedoch legt die Typologie der Funktionen nahe, die Nebenfigur nicht statisch, sondern dynamisch zu denken: in einem Kontext von Abläufen und Handlungen, die von sehr unterschiedlichen Ordnungen figuraler Multiplikation bestimmt sein können.
Einen entscheidenden Ordnungswechsel zeichnet der Beitrag...