Puppenspiel als Kunst
Ein Marionettentheater unserer Zeit
von Helmut Fuchs
Erschienen in: Theater der Zeit: Theaterwissenschaft – Wissenschaft vom Leben (01/1948)
Assoziationen: Puppen-, Figuren- & Objekttheater
Fachkönnen und Erfahrung für Puppenspiel und Puppenfilm, fanatischer Glaube und unbeirrbarer Wille gehören heute zum Neuaufbau eines Marionettentheaters.
Ein Gang durch die Räume der Marionettenbühne Barthold in Halle a. d. Saale zeigt die erstaunliche Ausdehnung und Mannigfaltigkeit des Arbeitsfeldes einer modernen Marionettenbühne. In der Verwaltung klappern die Schreibmaschinen. In der Tischlerwerkstatt klopft und hämmert es. Neue Inszenierungen erstehen hier, während die Spielgruppe auf Gastspielreisen ist und der große Probensaal deshalb vorübergehend leer steht. Alles, was die Inszenierungen erfordern, wird in eigenen Werkstätten hergestellt. Auch die Schauspieler selbst – die Marionetten. Der Holzbildhauer arbeitet in stiller Sammlung an seinem hellen Arbeitsplatz. In der Kostümschneiderei zwischen bunten Entwürfen und Mappen häufen sich die farbigen Stoffe; halbfertig bekleidete Marionetten liegen und hängen umher. Immer wieder erstaunt man, was alles in einer Marionettenbühne gebraucht wird.
Stille umgibt uns in dem Arbeitsraum Bartholds . Unsere Augen wandern immer wieder unwillkürlich umher, zu den Szenenbildern an den Wänden, zu den Mappen, Entwürfen und Werkstücken auf den Tischen. Wenn man öfter hierher kommt, erkennt man erst, wie das alles lebt, wie man jedesmal Neues entdeckt, während das Alte irgendwo im Betrieb am Arbeitsplatz eines Mitarbeiters auftaucht. Zu jeder Stunde schwebt Oskar Barthold das Marionettentheater als Idee vor....

















