Artist Statement
TdZ+Hierarchien abbauen
von Benjamin Richter
Erschienen in: reach out – Zirkus und Publikum (VOICES VI) (05/2026)
Assoziationen: Performance

Für mich besteht ein Sinn der Kunst darin, Präsenzmomente hervorzurufen. Unterschiedliche Kunstformen nutzen unterschiedliche Methoden, um Momente von Präsenz zu erzeugen. Der Zirkus arbeitet mit dem Ungewöhnlichen und dem Virtuosen. Das ist es, was die Menschen zum Atemholen veranlasst, oder was ihnen das Gefühl gibt, ganz präsent zu sein, weil sie es noch nie zuvor erlebt haben. Das merkt man, wenn man an einem öffentlichen Ort mit einem unvorbereiteten Publikum arbeitet. Man erlebt Menschen, die im Unklaren sind, die nicht beschreiben können, was gerade passiert, die den Moment aber genießen. Menschen, die das erfahren, öffnen sich.
In TAKTiL beziehe ich das Publikum in Spiele ein, bei denen Skulpturen entstehen. Ich schaffe eine flache Hierarchie zwischen mir, den Objekten und dem Publikum, sodass alle in vorsichtiger, feiner Verbundenheit die Spiele gemeinsam entdecken können. Kommunikation entsteht durch die ästhetischen und spielerischen Entscheidungen der Beteiligten; ich beobachte diese Entscheidungen und hebe sie hervor, um dem Geschehen eine Form und einen Fokus zu geben. Die Zuschauer:innen sind in TAKTiL also sowohl Teil der Kunst als auch Betrachtende der Kunst, die sie zusammen und mit mir kreieren.
Ich glaube, dass sich die Machtverhältnisse in Bezug auf das Publikum im Zeitgenössischen Zirkus verschoben haben. Es geht...


















