Essay
TdZ+ ProThe Sound of Diversity
Erschienen in: Edition Bayerische Theaterakademie August Everding 4: Sprechen Gestalten – Sprechen in Theater, Ausbildung und Praxis (10/2026)
Lauter
Seit geraumer Zeit ist meine Stimme lauter als die anderer. Anders gesagt: Seit geraumer Zeit wird meine Stimme besser gehört. Das liegt nicht zwingend daran, dass ich lauter sprechen würde oder deutlicher. Aber seit geraumer Zeit spreche ich gewissermaßen mit Verstärker, mit einem Mikrofon. Als Leiterin einer Kulturredaktion, qua Funktion also, ist meine Stimme scheinbar gewichtiger als die der anderen. Trotzdem und zugleich ist es meine ganz eigene Stimme, die da spricht: weiblich, in Süddeutschland aufgewachsen, mit akademischem Titel, kulturell gebildet. Diese Markierung ist wichtig. Sie ist nicht einem Bekenntniszwang geschuldet, sondern dem Wissen, dass eine Stimme und das, was sie zu Gehör bringt, eine Position hat, noch bevor sie überhaupt Position bezieht. Als ich mich 2024 den Mitarbeiter:innen im Deutschlandfunk vorstellte, spielte eine Frage aus der Runde genau darauf an: Wie ich als Westlerin mit Ostperspektiven umzugehen gedenke? Sie hören, ihnen zuhören, lautete meine Antwort. Innerhalb des Hauses und im Programm. Wie ich überhaupt mein Rollenverständnis mit Begrifflichkeiten wie zuhören, hören und gehört werden zu veranschaulichen suchte. Und doch barg die Frage einen Appell, der nachhallte. Sie war die markante Erinnerung an einen grundsätzlichen Auftrag: den Sound der Diversität vernehmen. Perspektiven, Positionen, Vielfalt Raum geben. Ost und West...















