Bettina, du arbeitest vor allem als Schauspielerin und Sängerin. Wie kamst du zum Unterrichten?
Ich durfte in meiner eigenen Laufbahn viele unterschiedliche Mentor:innen erleben und entsprechend viele Unterrichtsansätze kennenlernen. Als sich für mich die Gelegenheit ergab, war es naheliegend, diese weiterzugeben. Besonders spannend fand ich den Aspekt, nicht vorrangig Schauspieler:innen, sondern die andere Seite, angehende Regisseur:innen und Dramaturg:innen, zu unterrichten. Da entsteht direkt ein anderer Blick auf das sprechtechnische Handwerk, auf Bühnenpräsenz oder Argumentationsstrukturen.
Das wäre eigentlich genau meine nächste Frage: Du unterrichtest Sprechen bzw. Sprechtechnik im Regie- und Dramaturgiestudiengang an der Bayerischen Theaterakademie August Everding. Warum brauchen Menschen, die nicht primär auf der Bühne stehen, sprechtechnische Kenntnisse?
Natürlich liegt der Fokus bei diesen Studierenden woanders: Regisseur:innen möchten erst mal das Handwerk für die Regie lernen. In Bezug auf den Sprechunterricht haben sich im Gespräch mit den Dozierenden des Studiengangs Regie zwei wichtige Aspekte herauskristallisiert: Regiestudierende müssen sich auf der Probe laut äußern können. Wenn sie zum Beispiel einen Opernchor inszenieren, müssen sie sich artikulieren und durchsetzen können. Die brauchen ein Standing. Wenn du mit einem kleinen Stimmchen dastehst, dann hört dir keiner zu. Das hat sehr viel mit der Behauptung eines gewissen Status zu tun. Wichtig ist freilich auch,...