HANS-DIETER SCHÜTT _ Gero Troike, Sie haben mal gesagt, Sie fürchteten die eigene Fantasie. Warum? Weil sie Dinge ausmalt, vor denen man auch erschrecken kann? Die Kunst daher nicht nur als Freiheit der Fantasie, sondern auch als Mittel, um dämonische Vorstellungskräfte zu zähmen? Uns das Böse auszumalen, ist unser großes gefährliches Talent?
GERO TROIKE _ Schöner schlimmer Gedanke, aber ich habe nicht von Furcht gesprochen, sondern von Misstrauen.
S _ Misstrauen in die eigene Fantasie?
T_ Ich meine damit eine gewisse Vorsicht, um das Eigene nicht als übertr ieben gültig und verallgemeinerungswert hinzustellen.
S _ Verallgemeinerung? Es ist doch alles sehr konkret, wenn man, wie Sie, an die Leinwand tritt: Sie sind es, der malt, einzig Sie sind es, der im jeweiligen Bild zum Ausdruck kommt.
T _ Ja, aber ich möchte nicht der Verführung erliegen, dass alles, was ich zu einem Bild mache, nur immer um mich selbst kreist. Ob Landschaft, ob Innenraum, ob Akt – auf das, was ich sehend fühle oder fühlend sehe, bin ich neugierig. Aber weniger darauf, wie sich das Sichtbare, das Eingängige nur immer als Anlass für die Spiegelung meines eigenen Gemüts eignet. Staunend stehe ich vor der Welt, nicht hauptsächlich vor mir selbst....