Ist die Vase eine tragische Figur?
Blätter zu einer Ausstellung. Oktober 2022
Erschienen in: Gero Troike – In unmittelbarer Nähe (07/2025)
Assoziationen: Gero Troike
1. Unsere Fantasie weiß, wovon sie erzählt: Man kann mit allem spielen, das nach landläufiger Lebensles-Art nicht existiert, mit allem, das gemeinsam Nichts bildet – und schon ist Nichts bevölkert.
2. Zum Beispiel Naumburg. Troike stellt in der Galerie im Schlösschen aus: Theater, Grafik, Malerei. Modelle, Entwürfe, Texte. Überm Eingang zu drei Räumen steht Samuel Becketts Ortsund Zeitangabe zu „Warten auf Godot“. Die kindlich anmutende Blockschrift Troikes: „Landstraße ein Baum Abend“. Der Maler: „Diese Angabe von Beckett ist für mich ein Wunder. Ich staune, wie diese Worte ein Bild entstehen lassen. Ich sehe es vor mir, trotzdem ist es in seiner Einfachheit und genauen Beschreibung ein Traumbild.“ Ich bestaune Troikes Sorgfalt, vorläufig zu sein. Zu sehen ist jene Kunst des Rückblicks, die weiß: Alles ist entbehrlich, wenn man es lange genug besitzt – deshalb betont diese Ausstellung das Momentane, das Impressionistische, das Vorübergehende. Auf Tischen liegen Programmhefte von Inszenierungen, an denen Troike mitwirkte, oder Texte einiger seiner Stücke. Da, zum Beispiel, ein handschriftliches Ferientagebuch aus Lanzarote, gekritzelt auf kariertes Papier. Auch im Urlaub hat er gemalt, das Bild könnte heißen: „Sehnsucht Meer“. Denn alle Farbwünsche sehe ich beim Blick hinaus vor mir. Das ist ein großes Glück.“
3. Die Insel...

















