Radikale Freundlichkeit, kritische Hoffnung
Das Goethe-Institut feiert sein 75-jähriges Bestehen
von Paul Tischler
Assoziationen: International Berliner Festspiele
Erschienen am 24.6.2026

Am Ende sang der Saal. „Wir hoffen immer, und in allen Dingen ist’s besser hoffen als verzweifeln, denn wer kann, wer kann das Mögliche berechnen?“ Barbara Morgenstern hat den Text aus Goethes „Torquato Tasso“ eigens für diesen Abend zum Kanon vertont, Ilja Panzer leitete die Chöre Spirited und Ladies reChoired und verteilte das Publikum auf vier Stimmen, und für ein paar Minuten verwandelte sich das Haus der Berliner Festspiele am gestrigen Dienstagabend in das, was es feierte: einen Resonanzraum. Durch den Abend führte Shelly Kupferberg. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnete die Reden, Goethe-Präsidentin Gesche Joost gab dem Abend seinen Ton, und unter dem Titel „Stimmen zum Jubiläum“ gab es ein Podiumsgespräch zwischen dem scheidenden Generalsekretär Johannes Ebert, der belarussischen Musikerin und Bürgerrechtlerin Maria Kalesnikava sowie der Schriftstellerin Jagoda Marinić. Alle Anwesenden waren sich einig, dass dieses Institut bleiben und arbeiten können müsse. So weit die gute Nachricht – nur tragen Bekenntnisse noch keine Kulturpolitik.
Gesche Joost prägte den Abend mit zwei Worten: „Radikale Freundlichkeit und kritische Hoffnung“. Sie lieh sie sich bei Hajnalka Somogyi, der Kuratorin der OFF-Biennale Budapest, die unter Orbán zwölf Jahre lang eine inoffizielle Biennale ohne öffentliche Mittel und unter politischem Druck zusammenhielt. Den zweiten Begriff zog Joost...
Erschienen am 24.6.2026


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