Theater der Zeit

Editorial

Editorial

von Tim Sandweg, Meike Wagner und Katja Spiess

Erschienen in: double 42: Kultur erben – Generationenwechsel im Theater der Dinge (11/2020)

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Was bleibt, wenn nach Jahren künstlerischer und kuratorischer Tätigkeit eine Laufbahn langsam in die Schlusskurve biegt? Was kommt, wenn eine junge Generation an Schaltstellen der Szene das Ruder in die Hand nimmt? Double hat sich umgeschaut, wie Übergänge zwischen Generationen im Puppen-, Figuren- und Objekttheater gestaltet werden, und präsentiert im Thementeil ein vielstimmiges Spektrum von Übergaben, Übernahmen und Diffusionen.

Meike Wagner macht sich Gedanken zu den Übergängen zwischen Generationen im künstlerischen Feld und sieht eher gemeinschaftliche Entwicklung statt Konfrontation. Eric Bass und Shoshana Bass, Agnès Limbos, Hans-Jochen Menzel und Anna Menzel reflektieren die künstlerische Zusammenarbeit zwischen Eltern und Kindern, bei der das Verhältnis der Generationen auf der Bühne immer mitschwingt. Katy Deville, Jean-Pierre Larroche, Neville Tranter und Ilsebyll Beutel-Spöri haben als erfahrene Künstler*innen jeweils eigene Wege gefunden, mit jungen Künstler*innen in Austausch zu kommen: als Mentor*in, Partner*in, Lehrer*in und Übergeber*in. Florian Rzepkowski, Kora Tscherning und Caroline Gutheil sind in den letzten Jahren als Theaterleitung gestartet und sprechen über den Gegensatz von Beharrungstendenz und Neuerungswunsch. Annika Gloystein berichtet über das Theater Kuckucksheim und das Theater Salz+Pfeffer als Mehrgenerationeninstitutionen, die produktive Lösungen für die Zusammenarbeit gefunden haben. Schließlich spricht Manfred Wegner im Interview mit Meike Wagner über die Möglichkeiten des Transfers und der Weiterentwicklung von puppenhistorischem Wissen über Generationen hinweg.

Der zweite Heftteil ist, genauso wie die darstellenden Künste insgesamt, geprägt durch die COVID-19-Pandemie und fragt, was die ökonomischen und ästhetischen Auswirkungen auf das Puppen-, Figuren- und Objekttheater sind. Neben Perspektiven auf die Situation in Deutschland, wo die neue Spielzeit unter Auflagen wieder starten konnte, sowie einer Reflexion über die Situation von internationalen Festivals versammelt diese Ausgabe Stimmen zur Lage in Israel, im Libanon, in Indonesien, Südafrika, Großbritannien und Argentinien. Künstlerischen Strategien im virtuellen Raum, mit digitalen Dingen und Themen der digitalen Transformation widmen sich Tom Mustroph und Christina Röfer, die Digitalstrategien im Figurentheater anhand des Sonderförderprogramms „Konfiguration“ und Formen von virtueller Ko-Präsenz vorstellen. Schließlich schauen die Autor*innen dieser Ausgabe auf neue Inszenierungen und Ausstellungen – on- und offline, virtuell und ganz haptisch.

Ab dieser Ausgabe gehören die letzten Seiten von double unseren Kolleg*innen aus der Schweiz. Damit hoffen wir, die Lücke, die die Einstellung der Theaterzeitschrift „figura“ gerissen hat, zumindest etwas füllen zu können.

Eine anregende Lektüre wünschen

Katja Spiess, Meike Wagner und Tim Sandweg

Inheriting culture
The generation change in theatre of things

What remains when, after years of artistic and curatorial activity, a career slowly rounds the final bend? What happens when a young generation takes over the baton at the change-over point? "Double" has examined how transitions between generations in puppet, figure and object theatre are shaped, and the result is a polyphonic spectrum of handovers, takeovers and diffusions in the “theme” section.

After a few introductory thoughts on transitions between artistic generations where the author's diagnosis is joint development rather than confrontation, she hands over the word to artists from different generations. They talk about the cooperation between parents and children; about methods of staying in contact with the following generation as a mentor, partner or teacher; about a new director's conflict between keeping things as they are and wanting to make a fresh start,; about productive solutions in multigenerational theatres, and the opportunities for transferring historical knowledge of puppetry from one generation to the next.

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