Digitales Theater: Erweiterung der Theaterinstitution?
Thusneldas Runder Tisch #07 – Im Gespräch mit der intermedialen Theatermacher:in Caspar Weimann – Initiator:in des Kollektivs onlinetheater.live und Honorarprofessor:in für Schauspiel an der ADK Baden-Württemberg – über Rituale innerhalb einer Institution, Aufmerksamkeitsökonomie auf Social-Media-Plattformen, künstlerische Praktiken aus der freien Marktwirtschaft und die (noch geringe) institutionelle Förderung von Content Creation.
In dieser Serie lädt Performer:in, Dramaturg:in und ehemalige:r Musicaldarsteller:in Thusnelda Marín Jungmann zum gemeinsamen Nachdenken darüber ein, wie Veränderungen der Institution Theater nicht nur ästhetisch, sondern ebenso strukturell gedacht werden müssen. Dabei geht es vor allem um Fragen der Zugänglichkeit, der Machtverhältnisse hinter der Bühne, um Formen von Gemeinschaft und Konflikt sowie um Visionen für ein Theater der Zukunft.
Thusnelda Marín Jungmann: Ich habe mit HAUtie gechattet, dem quirlig-queeren Chatbot der digitalen Bühne HAU4. Dabei ging es um die Frage, was eine Institution ausmacht. Erst einmal: Was ist das für dich?
Caspar Weimann: Bei Theaterinstitutionen denke ich an Kunst- und Kulturpraktiken, die bestimmte Formen und damit historisch gewachsene Rituale ausgebildet haben. Dafür braucht es einen gewissen Apparat an fest angestellten Menschen, die in Bereichen wie Leitung, Bühnen-/Kostümbild und Schauspiel eine Produktion umsetzen.
TMJ: Diese ritualisierte Form geriet mit der Corona-Pandemie, als das analoge Publikum wegbrach, unter Druck. Digitale Bühnen entstanden und gewannen an Bedeutung. HAUtie beschreibt Institutionen in digitalen Kontexten als flexiblere, dynamische Konstrukte, die sich an Veränderungen anpassen.
CW: Natürlich war die Gründung digitaler Bühnen ein wichtiger Schritt. Gleichzeitig bin ich krass vorsichtig, denn sobald zusätzliche Fördermittel ausbleiben, drohen die neuen digitalen Strukturen oder zumindest der Experimentierraum wegzufallen. Das HAU4 ist ein seltener Ort, an dem diese Struktur nach der Pandemie erhalten blieb. Wobei sich auch dort die Vorstellung sehr klassisch gestaltet: eine digitale Bühne auf der Webseite des Theaters. An diesem Punkt ist es wichtig, zu unterscheiden, was Digitales Theater eigentlich meint: Es gibt natürlich den Einsatz digitaler Technologien wie VR-Brillen im klassischen Theaterraum. Mich interessiert aber...
Erschienen am 29.10.2026
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