Essay
TdZ+ ProKontakt im Raum V
Die leiblich-räumliche Dreidimensionalität
von Steffi Hofer
Erschienen in: Edition Bayerische Theaterakademie August Everding 4: Sprechen Gestalten – Sprechen in Theater, Ausbildung und Praxis (10/2026)

So wie du siehst, wirst du gesehen.
So wie du siehst, wirst du gehört.
So wie du siehst, wirst du reagieren.1
1. Ursache und Wirkung
Die vorangestellten drei Kausalitäten und ihre Wirkungen sind keineswegs nur ein Sprachspiel. Vielmehr verweisen sie direkt auf konkrete leibliche Konsequenzen und fassen zentrale Ergebnisse meiner bisherigen Recherchen prägnant zusammen.
Bevor ich das Themenfeld Dreidimensionalität betrete, möchte ich noch einige grobe Linien meines Arbeitsansatzes zeichnen. Ich gehe davon aus, dass unsere visuelle Wahrnehmung leibliche Veränderungen auslöst. Dies lässt sich anhand von zwei gut nachvollziehbaren Fakten exemplarisch verdeutlichen.
Fakt 1: Unsere Sehbahn durchläuft beide Hemisphären des Gehirns; sie vereint sich in der hintersten Gehirnregion, dem visuellen Cortex, der für die bildliche Identifikation zuständig ist.2
Fakt 2: Ein Hyper- oder Hypotonus ist dem Über- oder Unterfokussieren zuzuschreiben. Über- und Unterfokus behindern unsere Möglichkeiten hinsichtlich der Elementarprozesse des Sprechens wie Respiration, Phonation und Artikulation; ebenso verhindert diese Dysbalance unsere Präsenz.
Bereits 2023 habe ich diese Zusammenhänge in meinem Artikel Kontakt im Raum III – was das Sehen bewirkt3 behandelt. Ob ich gesehen oder gehört werde, hängt davon ab, in welchem Maße ich im Raum anwesend bin. Doch wann beginnt diese Anwesenheit? Für mich entsteht sie in...















