Performative Räume
Erschienen in: Arbeitsbuch 2026: Setting the Stage, Vol. 3 – Contemporary Spaces (07/2026)
Der Bühnenraum ist im zeitgenössischen Theater nicht länger nur Hintergrund oder Bild der Handlung, sondern ein Raum der performativen Erzeugung von Wirklichkeit. Die hier versammelten Positionen vollziehen den Paradigmenwechsel vom mimetischen Darstellungsraum zu einem Ereignisraum situativer Präsenz nach, in dem Bedeutung nicht vorausgesetzt wird, sondern sich erst im Prozess formiert. An die Stelle einer festen zentralperspektivischen Anordnung zwischen Bühnen- und Zuschauerraum tritt eine dezentrale Komposition aus Körpern, Materialien und technischen Setzungen, die im Ereignis selbst erst wirksam wird und sich eindeutiger Fixierung entzieht.
Körper und Material
In den Arbeiten von Florentina Holzinger/Nikola Knežević erscheint Raum als physische und materielle Überwältigung. Technische Konstruktionen und apparative Setzungen schaffen Bedingungen, unter denen Körper nicht darstellen, sondern exponiert sind: im Kontakt mit Schwerkraft, Widerstand und Verausgabung. Der Raum wird hier nicht abgebildet, sondern als Kräftefeld erfahrbar, das die Körper unmittelbar affiziert und nicht bloß umgibt.
Blick und Sichtbarkeit
Anne Imhof organisiert Raum demgegenüber als präzises Dispositiv des Blickes. In „Faust“ wird die Architektur des deutschen Pavillons in Venedig so intervenierend besetzt, dass Transparenz, Durchlässigkeit und Perspektivwechsel eine ambivalente Situation von Nähe und Distanz erzeugen. Beobachtung und eigene Sichtbarkeit greifen ineinander; das Publikum befindet sich nicht außerhalb des Geschehens, sondern ist Teil der aktiven Performance,...
















