Bericht
TdZ+Sex als Krieg!
Der 10. Showcase Generation After am Warschauer Nowy Teatr mit dem Titel „Artistic Intelligence“ zeigte sich als breit bestückter Katalog der polnischen Szene
von Thomas Irmer
Assoziationen: Europa Dossier: Festivals Dossier: Polen
Erschienen am 9.9.2026

Krzysztof Warlikowski, langjähriger Intendant des Nowy Teatr, soll sich sehr für die künftigen Anwendungen von KI in den Künsten des Theaters interessieren. Leider war er nicht dabei, als das Showcase-Kuratorenteam Michał Merczyński (Karolina Ochabs Nachfolger an der Spitze des Nowy), Piotr Gruszczyński und Maja Wisła-Szopińska die Gäste mit dem Slogan begrüßten, der als „Artistic Intelligence“ spielerisch auf die unhintergehbaren Grundlagen des Theaters hinweisen wollte.
Statt KI-Anwendungen auf der Bühne gab es die überraschende Begegnung mit einigen Romanen, die von der Adaptionslust des polnischen Theaters zeugen. Emily Brontës „Wuthering Heights“ ist so ein Buch, das man wegen seiner verschachtelten Erzählstruktur für wenig bühnentauglich und wegen der ebenso verzweigten englischen Gutshaus-Personage eigentlich als kaum tragfähig für Gegenwartsthemen sehen könnte. Klaudia Hartung-Wójciak hat ihre Version am Teatr Polski in Bydgoszcz mit dem lockenden Zusatztitel „Love to Die“ versehen. Die listige Erfindung aber, das Buch in die Gegenwart und vor allem immer wieder ins (Nach)Spielen von kurzen Szenen in historischen Kostümen zu bringen, besteht darin, dass die Hauptfigur (alias Catherine) in einer alten Ausgabe des Buches einen Brief ihrer Großmutter findet, in dem diese von ihrer großen unerfüllten Liebe berichtet. Die Lektüre der Enkelin (und Regisseurin) begründet sich mit diesem postdramatischen Trick, der allerdings...
Erschienen am 9.9.2026

















