Wahrscheinlich sehen auch über Seoul die Sterne wie kleine funkelnde Staubpartikel aus – zu erkennen sind sie aber nicht, dafür leuchtet und strahlt es auf den Straßen der südkoreanischen Hauptstadt zu sehr. Alles ist hell umspielt von einem gleißenden Gemisch aus Straßenlichtern und Neonschildern, die an vielen Ecken und Häusern in Myeongdong, einem der Shopping- und Touristenviertel Seouls, zu erblicken sind. Dort, im Schatten von Lotte, einem Kaufhaus der gleichnamigen japanischen Handelskette, die zwischen Supermarkt und Freizeitpark alles vertritt, drängen sich Menschen aneinander vorbei und in die Geschäfte hinein, die Straßen werden mit lautem K-Pop („Korea-Pop“) beschallt, strahlende Neonreklame und flimmernde Videowalls, allgegenwärtig: das Handy und/oder Streetfood in der Hand – alles bunt erleuchtet, alles unterlegt mit einem wirren Klangteppich aus fremden Sprachen und Plastikpop. Aber Seoul ist weit mehr als das abendliche Treiben auf seinen Straßen, weit komplexer und weitläufiger als sein U-Bahn- System und trotz des Trubels in sich genauso ruhend wie die Statue König Sejongs, der, in Gold gegossen, mitten auf dem Gwanghwamun-Platz thront.
In der Elf-Millionen-Einwohner-Stadt herrschen nach wie vor steigender Wohlstand und rasantes Wachstum. Und das in einem Land, das sich nach den Koreakriegen zuerst unter japanischer Besatzung und nach deren Ende in einer Militärdiktatur...