Lisa Nielebock ist eine Ensembleregisseurin. Die vier Männer und zwei Frauen, die Kleists „Amphitryon“ spielen, betreten gemeinsam die Bühne der Kammerspiele am Bochumer Schauspielhaus und setzen sich frontal zum Publikum, halb noch augenzwinkernd privat. Hier ist ein weicher Übergang zu sehen zwischen der expliziten Theatersituation – sechs Spieler suchen den Autor Kleist – und dem intensiven Eintauchen in den Geist der vermutlich most sophisticated comedy der deutschen Literatur.
Es sei wichtig, sagt die Regisseurin im Gespräch, dass die Schauspieler sich für jede Arbeit „neu erfinden“. Der Regisseur, der nicht in erster Linie die Figuren und ihre Darsteller fokussiere, laufe häufig Gefahr, in Effekthascherei zu verfallen. In Nielebocks Inszenierungen gibt es wenig „Bühnenzauber“. Die Schauspieler sind das Ereignis.
Wichtig sind Lisa Nielebock aber auch die Zeitgenossenschaft des Blicks auf einen historischen Stoff und das subjektive Interesse. Ihr Vertrauen darauf, dass die Beschäftigung mit so einem Kleist-Stück wie „Amphitryon“ ergiebig ist, fundiere überhaupt erst den Angang. Von der Qualität des Stoffs gehe eine „Autorität“ aus, sagt sie. Seit diesem Sommersemester leitet Lisa Nielebock den Studiengang Schauspiel/Regie an der Folkwang Universität der Künste in Bochum, an der sie selbst studierte. Auch bei ihrer Lehrtätigkeit wird die junge Professorin (Jahrgang 1978) beide Elemente ihrer...