Thema
Die Grenzen zwischen Dokumentation und Fiktion verwischen
Spielfilme über Gefängnistheater bilden ein ganz eigenes Genre
Assoziationen: Nordamerika Südamerika Dossier: Bühne & Film

Das Dokumentarformat stellt seit jeher eine etablierte Plattform für die unterschiedlichsten Themen dar, das Phänomen des Gefängnistheaters ist dabei keine Ausnahme. Insbesondere Thomas Heise widmete sich diesem Sujet im Rahmen eines Arbeitsaufenthalts in Lateinamerika für seinen Film „Städtebewohner“ (2014) – in einem Gefängniskomplex in Mexiko. Sein Zugang zu den Protagonisten war dabei konventionell in der Annäherung und von nüchterner, dokumentarischer Zurückhaltung geprägt.
Doch es gibt auch filmische Beispiele, die bewusst mit Fakt und Fiktion arbeiten und dadurch die Grenzen zwischen Erzählung und Wirklichkeit verkomplizieren und verwischen. Die Regisseure greifen Elemente fiktiver Räume oder Konstellationen auf und durchtränken sie mit realen Biografien und Erfahrungen. Im Kontext des Gefängnisses ermöglicht die Besetzung ehemals Inhaftierter – oder sogar noch inhaftierter Personen – einen ungewöhnlich unmittelbaren Zugang und erlaubt es dem fertigen Werk, Geschichten sichtbar zu machen, die unter gewöhnlichen Umständen kaum dokumentiert werden könnten.
Einer dieser Fälle ist der italienische Semidokumentarfilm „Cesare deve morire“ in der Regie von Paolo Taviani und Vittorio Taviani, der 2012 auf der Berlinale uraufgeführt wurde und den Goldenen Bären gewann. Der Film begleitet eine Gruppe Insassen des Hochsicherheitsgefängnisses Rebibbia in Rom. Er zeigt Probenprozesse bis zur Premiere eines Theaterstücks und baut auf der bereits bestehenden Theaterpraxis innerhalb der...

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