Bericht
TdZ+Venedigs Welttheater
Mario Banushi erhält für seine Familien-Trilogie den Silbernen Löwen der Biennale und das von Willem Dafoe geleitete Programm reicht bis nach Japan und Ozeanien
von Thomas Irmer
Assoziationen: Europa Mario Banushi
Erschienen am 11.6.2026

Es ist tatsächlich eine Vorstellung für nur dreißig Leute, die in einer Villa mit geschlossenen Fensterläden in Santa Croce stattfindet. Mario Banushis Debütarbeit „Ragada“ entstand während der Corona-Zeit in einer Athener Wohnung und handelt ohne Worte von einer todkranken Mutter, die von ihrem erwachsenen Sohn umsorgt wird – den Banushi selbst spielt. Im Radio ist ein albanischer Sprecher zu trauriger Musik zu hören, aus einem Kühlschrank steigt eine elegante Dame und singt, es ist die Wunschfantasie der sterbenden Frau in ihren letzten Momenten. Banushi, der mit „Goodbye, Lindita“ und „Taverna Miresa“ seine wortlosen Familiengeschichten zu einer Trilogie fügte, die hier erstmals im Zusammenhang gezeigt wird, erhält dafür als einer der jüngsten Theatermacher der Teatro-Geschichte den Silbernen Löwen.
Zum glanzvollen Auftakt des diesjährigen Programms (noch bis 21.6.) gehörte auch Satoshi Miyagis „Mugen Noh Othello“, in dem der Japaner Shakespeares Tragödie mit der speziellen Dramaturgie des Noh-Theaters verbindet. Desdemona tritt als Tote auf, die Geschehnisse werden gleichsam im Rückblick behandelt, kommentiert von einem großen Chor und exzellenter Musik mit mehreren Schlagwerkinstrumenten.
Hatte Willem Dafoe im ersten Jahr seines zweijährigen Mandats einen Fokus auf die amerikanische Avantgarde seiner Herkunft gelegt, geht diesmal der Blick seiner Auswahl unter dem mehrdeutigen Titel „Alter NATIVE“ (das...
Erschienen am 11.6.2026

















