Editorial
Editorial
von Thomas Irmer
Assoziationen: Nordrhein-Westfalen Deutsche Oper am Rhein

Vor zwei Jahren gab es im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main eine Ausstellung zur Zukunft der Theaterbauten in Deutschland. Damals wurde der Sanierungsbedarf in breiteren Dimensionen zusammengetragen, auch die astronomischen Baukosten und die nicht weniger erstaunlichen langen Bauzeiten benannt. Der Ausstellung ging es mit den Beispielen in Frankfurt am Main (Schauspiel und Oper), Köln (Schauspiel und Oper) sowie Düsseldorf (Oper) auch um einen europäischen Vergleich. Der Lichtblick war das Neue Opernhaus in Oslo, in nur fünf Jahren gebaut, die Eröffnung 2008 um fünf Monate vorverlegt. Ein Märchen aus dem Land der Trolle und des sprudelnden Nordseeöls. Eine ein paar Jahre zuvor veranstaltete Ausstellung des DAM zum gleichen Thema tourte sogar durch einige Städte, löste in Düsseldorf immerhin eine Diskussion um einen Neubau oder die Sanierung der Deutschen Oper am Rhein aus, aber die Resonanz der beiden Fach-Ausstellungen blieb insgesamt wahrscheinlich auf Spezialisten-Kreise begrenzt.
Das Problem maroder Theaterbauten, bei dem meist Sanierung oder Neubau als Frage steht, wird auf lokaler bzw. regionaler Ebene wahrgenommen und dort in heftigen Diskussionen verhandelt. Es ist aber, aufs Ganze gesehen, ein Problem der deutschen Theaterlandschaft und ihrer Zukunft. Dabei geht es nicht nur um die, zusammengerechnet, Milliardensummen, die Haushalte erdrücken, sondern auch um die Konsequenzen von aufwendigen Sanierungen für den Spielbetrieb und die Rolle des Theaters in der Gesellschaft überhaupt. Wir haben deshalb für diese TdZ-Ausgabe einen Schwerpunkt entwickelt, der einen Überblick verschaffen soll. Inzwischen wurde eine transdisziplinäre Initiative „Umbaukultur – Transformation des Theaterbauens“ gegründet, der unsere Autorin, die Architekturhistorikerin Annette Menting, angehört.
Noch bis 1. Oktober gibt es die Plansche vor der Volksbühne, ein temporärer Theaterzubau mit Pommes-Pavillon, über den die ganze Welt mindestens so viel berichtet hat wie über Florentina Holzingers „Seaworld Venice“ bei der Biennale. Wir lenken den Blick mit dem Abdruck von Thomas Braschs nie verfilmtem Drehbuch „Alles Glück der Welt“ auf eine der ersten Premieren der neuen Intendanz von Matthias Lilienthal. Ein paar Wochen nach dem Ende des Badevergnügens wird Lena Brasch ihre Theaterversion in der Volksbühne zur Uraufführung bringen.
Aktuelle Kritiken von Festivals, den letzten Sommertheaterproduktionen und den ersten Premieren der neuen Saison wie immer unter tdz.de
Erschienen am 14.8.2026



















