Report
TdZ+Erleuchtung und Ernüchterung
Die Industriehallen der Ruhrtriennale sind für neue Formen des Musiktheaters besonders gut geeignet
von Stefan Keim
Assoziationen: Theaterkritiken Nordrhein-Westfalen Musiktheater Dossier: Festivals Ruhrtriennale
Erschienen am 18.9.2026

Die Sonne geht unter. Durch die Fenster der Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck fallen ihre letzten Strahlen. Drinnen macht sich Siddhartha auf den langen Weg zur Erleuchtung. Die belgische Singer-Songwriterin Meskerem Mees spielt Hermann Hesses berühmte Figur als Wesen zwischen den Geschlechtern und zwischen den Welten. Die Uraufführung von „Siddhartha“ ist eine der besonderen Kreationen aus Musik, Theater, Tanz und Raumgestaltung, für die die Ruhrtriennale seit ihrer Gründung bekannt ist.
Musiktheater hat in den ehemaligen Industriehallen des Ruhrgebiets stets besonderen Eindruck hinterlassen. Unvergesslich sind „Die Soldaten“ von Bernd Alois Zimmermann, bei denen das Publikum auf einer beweglichen Tribüne am ewig langen Bühnensteg vorbeifuhr. Oder „Moses und Aron“ von Arnold Schönberg, wo ebenfalls bewegliche Podien den Spielraum zunächst fast unmerklich verengten und weiteten. Ab der nächsten Spielzeit wird die Opernregisseurin Lydia Steier Intendantin und wohl auch wieder Musiktheater in überwältigenden Dimensionen bieten.
Der jetzige Leiter Ivo van Hove wollte etwas Neues ausprobieren. Er hat in seinen drei Jahren jede Ausgabe der Ruhrtriennale mit einem Songdrama eröffnet. Unter anderem inspiriert von „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ von Bertolt Brecht und Kurt Weill hatte der Regisseur im Sinn, nur mit Liedern Geschichten zu erzählen. Im ersten Jahr hat das noch gut funktioniert. In...
Erschienen am 18.9.2026


















