Komplexe Szenen improvisieren
von Dan Richter
Erschienen in: Improvisationstheater (Bd. 3) – Die Magie der Szene (10/2025)
10.1 Die Improvisation nicht thematisieren
10.2 Nicht jede Irritation thematisieren
10.3 Handlung nicht thematisieren
10.4 Komplexe Normalität
In diesem kurzen Kapitel wollen wir uns der Frage der komplexen Szenen widmen. Zunächst eine Klarstellung: Komplex bedeutet nicht „kompliziert“. Anspruchsvolle Szenen erschafft man nicht, indem man sie mit Dutzenden Themen und Figuren überfrachtet. Vielmehr entsteht Komplexität im Kopf der Zuschauer, wenn Szenen vielfältige Assoziationen und Möglichkeiten zulassen. In einer simplen Szene rügt die Chefin einer Parfümerie den Azubi dafür, dass ihm eine Kiste wertvoller Flakons heruntergefallen ist. In einer komplexen Szene versucht der Azubi, sein Malheur gegenüber der Chefin zu verbergen, und ist außerdem verliebt in sie. Das heißt, es geht vor allem darum, was wir zeigen und aussprechen, was angedeutet und was ungesagt bleibt. Wir steigen eine Ebene höher, wenn das Improvisieren selbst weniger im Vordergrund steht als der mögliche Inhalt.
10.1 Die Improvisation nicht thematisieren
Auch Profis tappen immer wieder in die Falle, direkt oder indirekt auf die Improvisation als solche zu verweisen.
Herr Schindelmayer, was werden Sie tun, wenn Sie in drei Wochen in Rente gehen?“ „Ich weiß nicht, was ich tun werde.
Ich weiß nicht einmal jetzt, was ich in einer Minute tun werde. Ich bin eher so...

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