Seit dem 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Krieg in Gaza wird die Debatte über Israel und Palästina in Deutschland so emotional, polarisiert und unversöhnlich geführt wie niemals zuvor. Öffentliche Auseinandersetzungen sind geprägt von Positionierungsdruck, Sprachlosigkeit und der wachsenden Unfähigkeit, die Perspektive des anderen überhaupt noch wahrzunehmen. Vor diesem Hintergrund begannen wir im Januar 2024 die Gesprächsreihe »Positionen und Perspektiven« abzuhalten. Ziel war, unterschiedliche Haltungen und Erfahrungen nicht gegeneinander auszuspielen, sondern miteinander ins Gespräch zu bringen. Im Zentrum stand der Versuch, zuzuhören, zu verstehen und mitzufühlen.
Unsere Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner – darunter Eva Illouz, Navid Kermani, Eva Menasse, Abdul Kader Chahin, Natalie Amiri und Svenja Flaßpöhler – sprachen nicht nur über Politik, Krieg und Gesellschaft, sondern auch über ihre Biografien, Prägungen und inneren Widersprüche. So entstanden Gespräche, die zugleich persönlich und politisch waren.
Anlässlich des zweiten Gedenktags des 7. Oktober schrieben wir gemeinsam einen Text mit dem Titel »Schluss mit der Polarisierung«. Rund um diesen Jahrestag wollen Israelis und Palästinenser ihrer Toten gedenken. Ihr Leid darf nicht gegeneinander aufgerechnet werden. Erinnerung braucht Empathie – und den Mut, Ambivalenzen auszuhalten. Der Text ist aus diesem Anspruch heraus entstanden.
Schluss mit der Polarisierung
Letzte Woche war Yom Kippur. Der jüdische Versöhnungstag steht...