Der Körper der Schauspielerin und die Moral des Publikums
Aleksandra Skotarek, langjährige Schauspielerin bei Teatr 21, reflektiert über ihre Bühnenpersönlichkeit. Teatr 21 aus Warschau ist eine der bekanntestes Gruppen in Polen. Hier erarbeiten Spieler:innen mit Down-Syndrom und
dem Autismus-Spektrum eigene Stücke.
Mein Name ist Aleksandra Skotarek. Ich bin sechsunddreißig Jahre alt. Ich bin eine erwachsene Frau mit kognitiver Behinderung. Ich arbeite seit achtzehn Jahren als Schauspielerin am Teatr 21. Ich habe mit meinem Körper verschiedene Rollen auf der Bühne geschaffen. Ich habe einen privaten Körper und einen Bühnenkörper, der Aufführungen mitgestaltet. Einen privaten Körper zu haben bedeutet, wirklich, anständig und von anderen akzeptiert zu sein. Der Bühnenkörper ist die Innenseite der Nacktheit – sowohl von der oberen Seite als auch von unten. Auf der Bühne arbeite ich mit meinem Ober- und Unterkörper. Der Obere reicht vom Gesicht bis zur Taille, er ist öffentlich und persönlich zugleich. Der untere reicht von der Hüfte abwärts – er ist persönlich und verboten, unanständig. Wenn ich auf der Bühne meine Brüste berühre, meinen Bauch und meinen Slip zeige, dann tue ich das nicht im Privaten: Ich spiele, indem ich meine Sexualität, meine Gefühle, meine eigene Norm, meinen unvollkommenen Körper zum Ausdruck bringe – das Werkzeug meiner Arbeit. Ich tue das für mich und für die Zuschauer:innen – obwohl nicht jede:r das akzeptiert. Ich wecke Schamgefühle mit einer Wahrheit, die weh tut. Ich zeige meinen Körper in Bewegungen und Bildern. Wenn ich ein Kissen zwischen meine...