Die Arbeit des Stadt:Kollektiv beginnt dort, wo Dinge nicht zusammenpassen: Lebenswelten, Haltungen, kulturelle und soziale Prägungen. Uns interessiert, wie sich Trennendes zusammendenken lässt – und was entsteht, wenn Grenzen gemeinsam überschritten werden: zwischen Kunst und Gesellschaft, zwischen Theater und Stadt, zwischen Kunstformen und Sparten, zwischen Generationen und Erfahrungen.
Schluss mit dem Senden
Als ich in der Spielzeit 2021/22 gemeinsam mit Bassam Ghazi die Leitung der partizipativen Sparte am Düsseldorfer Schauspielhaus übernahm, war genau das Auftrag und Motor: Das Stadt:Kollektiv sollte das Theater zur und für die Stadt öffnen. Ein Raum der Stadtgesellschaft werden, an dem sich unterschiedliche Menschen begegnen, auseinandersetzen und ausprobieren können. Partizipation bedeutet dabei nicht, mit herrschaftlichem Gestus generös ein Stück vom Kuchen der Hochkultur zu teilen. Es geht grundsätzlich darum, nicht für jemanden, sondern immer mit jemandem etwas zu tun. Denn Teilhabe ist für das Theater selbst überlebenswichtig. Die Kulturwissenschaftlerin Carmen Mörsch unterscheidet zwischen einem reproduktiven Diskurs, der ein »Publikum von morgen« gewinnen will, und einem affirmativen Diskurs, der interessierte Menschen über Vermittlungsformate an Kulturorte heranführt. Demgegenüber steht der transformative Diskurs, in dem sich Kulturinstitutionen als veränderbare Organisationen begreifen: Sie werden hier als lernende Systeme verstanden, bei denen es weniger darum geht, »Gruppen an sie heranzuführen, als...