Frau Kunzendorf, Sie sind dem Theater verloren gegangen. Sehr bedauerlich! Wie konnte es so weit kommen?
Na ja, ich war ja sehr lange fest in Ensembles. Direkt von der Schauspielschule bin ich nach Mannheim engagiert worden, dann ans Hamburger Schauspielhaus, und mit einem Zwischenstopp in Berlin ging’s an die Münchner Kammerspiele. Das war eine glückvolle Zeit, aber doch so, dass ich mir nach einer Weile dachte, mir würde es guttun, Luft zu schnappen. Ich war sehr gerne festes Ensemblemitglied, das liegt mir grundsätzlich auch, aber man ist schon sehr gebunden. Das fängt damit an, dass man einen Urlaubsschein ausfüllen muss, wenn man die Stadt verlassen will. Ich hab mich tatsächlich danach gesehnt, eigenverantwortlich entscheiden zu können, was ich machen will. Außerdem habe ich große Freude am Drehen, nicht zuletzt, weil es meinem lampenfiebrigen Naturell entgegenkommt. Eine Rolle Abend für Abend aufs Neue wieder hochholen und neu finden zu müssen, kann zwar ganz toll sein, ist aber eben auch anstrengend, wenn man vor Vorstellungen so aufgeregt ist, wie ich es oftmals war. Beim Drehen genieße ich es, dass ich abends „erlöst“ bin von dem, was am Tag stattgefunden hat. Selbst dann, wenn ich manchmal unzufrieden bin und mir denke: O Gott,...