1. Die Standardaussprache und der erste Jahrgang Schauspiel
Wenn Studierende mich und mein Sprechen gelegentlich korrigieren, wird der Theorieunterricht zur praktischen Anwendung ihres neu erworbenen Wissens. Ein Wissen um die Aussprache bestimmter Wörter. Meine Aussprache ist zwar an der deutschen Standardaussprache orientiert, eine Sprechausbildung habe ich jedoch nicht genossen. Ab und an wird – mal unbewusst, mal auch bewusst – eine dialektale Färbung hörbar, bei „König“ zum Beispiel, der dann nicht weich ([’køːnɪç]), sondern abgehackter und härter endet ([’køːnɪk]). Aber auch bei den Studierenden ist die standardisierte Lautung noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen, noch stehen sie am Beginn ihrer Ausbildung. Und dennoch spüre ich einen gewissen Stolz und eine Ahnung, dass es da eine Gemeinschaft gibt, die richtig spricht, zu der man sich nun (oder in Bälde) zählen darf. Es geht auch um ein Wissen, das keineswegs alle deutschsprachigen Sprecher:innen – wie sehr sie auch immer in ihrem Sprechen von der Standardaussprache abweichen – zu haben scheinen. Von Studierenden im ersten Jahr Schauspiel höre ich immer wieder einen Satz wie diesen: „Da müssen wir aber Uwe nochmals fragen.“ Hinter Uwe verbirgt sich der Dozierende, Phonetiker und Sprechwissenschaftler Uwe Hollmach (er ist auch in diesem Band auf den Seiten...