Diskurs
TdZ+ ProDER TOD UND DAS MÄDCHEN II
von Elfriede Jelinek
Erschienen in: Recherchen 5: TheaterFrauenTheater (01/2001)
PRINZESSIN: Mein Dasein ist Schlaf, daher ist Leben meine logische Grenze. Vielleicht ist mein Dasein aber auch nur Warten, bis ich geküßt werde. Warten als ein auf ein Anders Sein aus sein? In der Auszeit des Seins? Nein, eher in seiner Verlängerung! Irgendein Prinz, vor, noch ein Tor! Ich würde gern was erleben, doch ich bin von der Unfähigkeit aufzuwachen gelähmt. Die Frage ist: Sind Sie überhaupt der, auf den ich warten soll, bis er mich küßt? Ich stelle diese Frage lieber nicht, weil ja auch ich nicht weiß, wer ich sein werde, wenn ich aufgewacht bin. Dazwischen werde ich tot gewesen sein. Das heißt, ich bin derzeit immer noch tot. Aber ich darf mich nicht, wie andere, in den Tod auflösen und zu einer Nichtigkeit machen, sondern mir ist, umgekehrt, die Aufgabe gestellt worden, mir den Tod reinzuziehen, bis ich fast platze, er ist sozusagen Konsulent und Konstante meines Daseins, um dessen Abgrund zu bewältigen und mir so die Möglichkeit ZU SEIN jeden Tag aufs neue zu erarbeiten. Wieso soll gerade ich sogar im Tod noch dermaßen schuften, nur um dann immer noch nichts als tot zu sein? Nächste Frage: Als was erwacht man? Wen werden Sie küssen? Ich...

















