Bericht
Das Ende des „Safe Space“
Über die 17. Ausgabe der Hamburger Lessingtage 2026
von Peter Helling
Assoziationen: Hamburg Dossier: Festivals Matthias Lilienthal Thalia Theater
Erschienen am 17.2.2026

Festivalintendant Matthias Lilienthal hat für seine Ausgabe der Hamburger Lessingtage die Türen des Thalia Theaters weit aufgerissen. Hat es zu einem zugigen Ort gemacht, in dem in den Foyers die Waschmaschinen surren, Wäscheleinen hängen und die Betten einer WG von Kunststudierenden aus Düsseldorf stehen: Hier durften sie zwei Wochen lang leben, arbeiten, diskutieren. Der weihevolle Ort bürgerlicher Selbstvergewisserung ist aufgebrochen. Das ist ein sehr un-hamburgischer Eindruck, wo man doch Kunst und Repräsentation gerne fein auseinanderhält, frei nach dem Motto: Macht gerne Kunst, aber kommt mir bloß nicht zu nah. Diese Nähe ist diesmal Programm. Kein Verstecken, kein Abducken möglich. Das klingt schon in der Eröffnungsrede der Journalistin und Autorin Jagoda Marinić an, die dazu auffordert, gedankliche Safe Spaces zu verlassen, Empathie mit Menschen zu entwickeln, die nicht um die Ecke leben, sondern eventuell in der Ukraine oder den USA. Der große Komplex Weltkrise stürzt hier auf das Publikum herein, wie der Inhalt eines Kleiderschranks, der aus allen Nähten platzt. Kein bequemer Ort, den Matthias Lilienthal dem Publikum anbietet.
Überhaupt geht es um die Frage, wie auf der Bühne Wirklichkeit repräsentiert werden kann. Klassische Narrationen, gar Helden findet man hier selten. Auch Anti-Helden kaum, wenn man von einem großartigen Fabian Hinrichs...
Erschienen am 17.2.2026





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