Liebes Theater
seit Jahren bin ich auf der Suche. Danach, was wir noch werden können. Du und ich, liebes Theater. Ehrlich gesagt: Ich will dich nicht aufgeben, aber gleichzeitig, will ich mich dir auch nicht vollkommen hingeben. Abhängig sein. Mich von dir abhängig machen. Mir von dir mein Herz brechen lassen.
Liebes Theater, ich will Aufträge. Aufträge, für die ich wertgeschätzt werde. Aufträge, für welche ich fair bezahlt werde. Aufträge, in welchen ich mich künstlerisch entfalten kann und nicht nur ständig verstecken muss.
Ich will sehen, dass du Nachwuchs förderst, liebes Stadttheater. Aktuelle marginalisierte, migrantische, queere Perspektiven auf die Bühne bringst.
Ich will sehen, wie viel kritische Selbstreflexion in dir steckt.
Liebes Theater, ich habe mich gefragt, warum es so schwer ist für dich experimentellen Theaterformen eine Bühne zu geben. Ganz ehrlich, was soll dieses Konzept, drei Stunden in einen viereckigen Rahmen schauen und einer schlecht inszenierten Vorstellung zusehen zu müssen? Das wird der Kunst der Autor:innen überhaupt nicht gerecht. Kein Wunder, dass Theater heute nicht mehr alle erreicht.
Liebes Stadttheater, ich habe mich gefragt, wie es möglich ist, mit dir zu arbeiten. Mit dir zu arbeiten UND kritisch zu sein. Gegenüber all deiner Reproduktion?
Hallo liebes Theater, ich frage...