Gekommen, um zu bleiben
Tanz in Heidelberg
von Hartmut Regitz
Erschienen in: Live und in HD – Intendanz Holger Schultze 2011–2026 (04/2026)

Wer dabei gewesen ist, wird sich an den »Tanz durch Hölle und Paradies« auch noch nach Jahren gut erinnern. Denn nie zuvor und auch nicht mehr danach hat Nanine Linning ihr Publikum so zu Performern gemacht wie in »Hieronymus B.«: Während sich eine Gruppe das Theater auf den eigenen Beinen erkundet und im Marguerre-Saal beschauend Platz genommen hat, sah sich die andere hoch oben auf der Bühne zur selben Zeit wie gefangen in der Bildwelt von »Hieronymus B.«, die Les Deux Garçons aus Holland dem Malergenie physisch nachempfunden hatten. Was war da nicht alles zu sehen, und das zum Greifen nahe: eine Tänzerin, die sich aus einem Schlüsselloch herauswandte, oder ein Ensemblemitglied, das sich zur selben Zeit zwischen die Saiten einer Harfe klemmte. Hinterrücks platzierte sich zur selben Zeit vielleicht gerade ein mittelalterlich gewandeter Mann auf einem Fass, während ein anderer rudernd die aufgewühlten Menschenmassen teilte. Viel Raum war nämlich nicht auf der übervollen Bühne. Niemand wollte sich die seltene Gelegenheit entgehen lassen, sich wenigstens für einen Augenblick vor den Augen anderer in Szene zu setzen.
Man muss nicht unbedingt Bertolt Brecht und sein Gedicht »Legende von der Entstehung des Buches Taoteking« kennen, um zu ermessen, wie wichtig ein Ermöglicher...
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