Bericht
TdZ+Vielfalt ohne Versprechen
Das Schweizer Theatertreffen zeigt in der formalen Vielfalt seine grundlegende Programmatik
von Anna Bertram
Assoziationen: Schweiz Dossier: Festivals Schauspielhaus Zürich Théâtre Vidy-Lausanne
Erschienen am 8.6.2026

Das Schweizer Theatertreffen verwirrt zunächst mit seinem Namen. Die kleine Schwester des Berliner Theatertreffens? Versucht man die beiden Veranstaltungen zu vergleichen, ergibt eine grobe Analyse: Grundsätzlich teilen sich die zwei Theatertreffen vor allem das kuratorische Festivalprinzip. Auf einer Longlist stehen nominierte Inszenierungen, einige davon landen auf der Shortlist der national repräsentativen Festivals. Strukturell haben sich die Theatertreffen unterschiedlich organisiert: In Berlin programmiert eine wechselnde Theaterfach-Jury, in der Schweiz eine feste künstlerische Leitung mit Programmteam. Dass ein Jury-Modell wie in Berlin jedoch nicht unweigerlich progressivere Setzungen trifft, offenbart die kürzlich getroffene Entscheidung, die Frauenquote beim Berliner Theatertreffen abzuschaffen. Dabei wurden Entscheidungsprozesse und -kriterien der Öffentlichkeit nicht gänzlich kommuniziert; unklar bleibt es, wie genau es zu der Entscheidung kam. Die künstlerische Verantwortung einer Leitung führt zumindest zu einer klaren Verantwortlichkeit für die zugrunde liegenden Kriterien und Setzungen. Dadurch werden Vorgänge und Beurteilungsgrundlagen sichtbar, adressierbar und verhandelbar. Leiterin Julie Paucker und das Programmteam sind während des Theatertreffens anwesend, ansprechbar und teilhabend.
Dieses Jahr führte das rotierende Schweizer Theatertreffen in die Romandie, die französischsprachige Westschweiz, genauer: nach Lausanne und nach Yverdon-les-Bains als Festivalzentrum. Es ist eine historische Arbeiter:innenstadt, rund 30 000 Menschen leben hier heute. 1907 fand in Yverdon der erste Frauenstreik der Schweiz...
Erschienen am 8.6.2026



















