Thema
TdZ+Theaterblut geleckt
Über den Transfer des verpönten Horrorfilms auf die entweihte Bühne
von Jörg Buttgereit
Assoziationen: Dossier: Horror, das Unheimliche auf der Bühne
Erschienen am 17.5.2026

Ich habe keine Ahnung von Theater. Das habe ich dem Intendanten Kay Voges geantwortet, als er mich 2011 einlud, am Schauspiel Dortmund zu inszenieren. Klassische Theaterstoffe sind mir fremd. Aber Voges kannte meine berüchtigten Underground-Horrorfilme („Nekromantik“, „Der Todesking“ etc.), mit denen ich Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien und die Staatsanwaltschaft von München gegen mich aufgebracht hatte. Am Theater, versprach mir Voges, hätte ich keine inhaltlichen Beschränkungen zu befürchten. Ich könne auf der kleinen Studiobühne machen, was ich wolle. Diese künstlerische Freiheit mag normal sein für den Theaterbetrieb. Mir erschien das Versprechen jedoch zu schön, um wahr zu sein.
Denn Horror hat in Deutschland ein sehr schlechtes Image. Das ist sicher eine Nachwirkung der ebenso strikten wie willkürlichen Zensurpolitik der achtziger Jahre gegen vermeintlich „sozialethisch desorientierende“ Horrorvideos. Wenn man hierzulande einen Horrorfilm machen will, braucht man noch heute eine gute Entschuldigung dafür. An Förderungen oder irgendwelche Unterstützung war bei meinen Filmproduktionen nie zu denken. Im Gegenteil: Man hat von offizieller Stelle eher versucht, mich daran zu hindern, meine selbst produzierten und ungeprüften Filme zu veröffentlichen.
Wer seine multimedialen Inszenierungen kennt, wird bestätigen, dass Kay Voges ein absoluter Film-Nerd ist. So wie ich. Da...
Erschienen am 17.5.2026


















