Jede noch so kleine Entscheidung kann irrsinnige Folgen haben. Davon erzählt Konstantin Küsperts „pest“, wobei sich Stück und Autor ganz schön aufblähen. Jacob Keller, Teil des Uraufführungsensembles am Theater Regensburg, scheint derlei Wichtigtuerei fremd. Um seine Entscheidung, Schauspieler zu werden, macht er wenig Aufhebens: „Von selbst wäre ich nicht auf die Idee gekommen.“ Klar war er als Jugendlicher in der Theater-AG, aber nach der Schule und einem ernüchternden Praktikum in einem Architekturbüro begann er erst mal, Soziale Arbeit zu studieren. In Potsdam. Nebenbei aber stand er auf der Studentenbühne, wo er einer Theaterpädagogin auffiel. Sie riet ihm zur Schauspielschule. Keller gab der Sache eine Chance und landete in Leipzig.
Seit gut drei Jahren gehört er nun zum Ensemble des Theaters Regensburg. Fragt man ihn nach seinem Antrieb im Beruf, antwortet er knapp: „Ruhm und Erfolg.“ Dabei trägt er ein schmales Lächeln auf den Lippen. Schüchternheit und Selbstironie mischen sich darin. Zweideutigkeit prägt auch seine Figuren. Zum Beispiel in „Die Vaterlosen“. Das Stück des Ungarn Csaba Mikó erzählt von gesellschaftlichem Zerfall im Spiegel einer Familiengeschichte. Keller spielte darin den jüngsten Sohn Simon, einen Sonderling, der scheinbar teilnahmslos neben seinen Geschwistern her lebt. Bei Keller nahm dieses Abseitsstehen autistische Züge an. Gleichzeitig...