Kommentar
TdZ+Die letzte Machete
Über das Aus der Sendung „Kulturpalast“ als bitterer Abschluss der Marginalisierung von Theater im öffentlich-rechtlichen Fernsehen
Erschienen in: Theater der Zeit: Edgar Selge: Der helle Wahnsinn (01/2019)
Assoziationen: Debatte

Als im Dezember 1999 der ZDFtheaterkanal auf Sendung ging, war das europaweit eine Sensation. Ein Spartenprogramm, bei dem man schon zum Frühstück eine alte Peter-Zadek-Inszenierung und nach Mitternacht noch eine Theater-Doku sehen konnte, etwa eine der 150 Folgen „Theaterlandschaften“, mit denen praktisch das gesamte deutschsprachige Theater in halbstündigen Einzelporträts vorgestellt wurde. Im Ausland staunte man: So etwas können nur die Deutschen haben. Für die aktuelle Berichterstattung gab es dazu die – zeitweise wöchentlich laufende – Sendung „Foyer“, ein Theatermagazin mit Premierenberichten und Porträts, auch aus den Sparten Tanz und Musiktheater, sowie Sondersendungen samt ganzer Aufzeichnungen vom Theatertreffen. Goldene Zeiten fürs Theater im Fernsehen.
Zehn Jahre später feierte der digitale Theaterkanal sein Jubiläum, doch da hatten die Programmoberen in Mainz schon die Kahlschlagmacheten aus dem Schreibtisch gezogen. Der Theaterkanal – ein Jahr Laufzeit kostete das ZDF so viel wie eine Sendung „Wetten dass ...?“ – wurde aufgelöst und ein kleiner Teil dessen ab 2011 in das Programm des neuen Senders ZDFkultur einbezogen. Das lebende Theatermuseum der alten Zadek-Aufzeichnungen verschwand ganz, aus „Foyer“ wurde der „Kulturpalast“, eine Sendung nunmehr für Performing Arts im weitesten Sinne, die mit neuen Formen der Kulturberichterstattung experimentierte und dabei mit engagiertem Interesse das Theater im Auge behielt,...
















