Vom Traum einer Sache
von Gerhard Ahrens
Erschienen in: Recherchen 179: Roter Stern in den Wolken 3 – Aufsätze, Reden, Gespräche, Gedichte. Ein Lesebuch (04/2026)
Assoziationen: Heiner Müller Schauspiel Frankfurt

Der Schlaf
in memoriam Walter Benjamin
Wecken was Jahr und Tag in Schlaf gebannt
Wartet auf seine Zeit. Es irrt im Kreis die Uhr.
DIE WELT BESITZT LÄNGST DEN TRAUM EINER SACHE
VON DER SIE UM SIE WIRKLICH ZU BESITZEN NUR
DAS BEWUSSTSEIN BESITZEN MUSS. Ich erwache.
Es ist zu spät zu früh. Ich stehe an der Wand.
B. K. Tragelehn hat dies Gedicht 1981 aus besonderem Anlass geschrieben. Es erfüllt alle Kriterien, die Goethe in seinen Tag- und Jahresheften, die er als Ergänzung seiner sonstigen Bekenntnisse vorstellte, einem Gelegenheitsgedicht zugeschrieben hat: »Der Geist näherte sich der wirklichen, wahrhaften Natur durch Gelegenheitsgedichte: denn besondere Fälle waren zu betrachten und zu behandeln.«
1980 kam es zum Vorfall der fristlosen Entlassung Tragelehns am Schauspiel Frankfurt am Main wegen Sympathisantentums durch den Magistrat der Stadt Frankfurt. Ein Déjà-vécu-Erlebnis für den Regisseur, dem aus Staatsraison in der DDR wiederholt die Arbeitserlaubnis entzogen worden war: 1961 wegen konterrevolutionärer, antikommunistischer und antihumanistischer Umtriebe; 1969 wegen Hippieunwesens und Pornografie. Ab 1979 durfte Tragelehn in den Westen ausreisen, als Gastarbeiter ausgeliehen an Theater der BRD, wo ihm 1980 die Wiederkehr der Verdrängung widerfuhr, mit der ausgesprochenen Suspension, die seit 1977 als Berufsverbot zum Stigma der BRD...



















