Rechtfertigen
von Dan Richter
Erschienen in: Improvisationstheater (Bd. 3) – Die Magie der Szene (10/2025)
5.1 Für wen rechtfertigen wir?
5.2 Wann rechtfertigen wir (und wann nicht)?
5.3 Wie rechtfertigen wir?
5.4 Rechtfertigen und Miteinander
Als Impro-Spieler werden wir permanent mit Unerwartetem konfrontiert. Das heißt, wir sind gezwungen mit Inhalten kreativ umzugehen,
− mit denen wir nicht rechnen,
− die mit unserer vorläufigen Einschätzung über den Sinn der Szene nicht übereinstimmen,
− die beim ersten Betrachten gar „unpassend“ erscheinen.
Dieses sinnvolle szenische Einbauen des Unerwarteten nennen wir Rechtfertigen.
Vielen Zuschauern erscheint gerade diese Fähigkeit bei ImproSchauspielern als genial. Sie vermuten oft ein schier übernatürliches Talent und außerordentliche kreative Begabung dahinter. In Wirklichkeit handelt es sich vor allem um eine Geisteshaltung: Wir lassen auf der Bühne den skeptischen, prüfenden Verstand hinter uns und umarmen freudig das Unbekannte mit einem kräftigen „Au ja!“ Und je weniger Vorannahmen wir machen, umso leichter fällt das.
Dieser geistigen Haltung entspricht eine körperliche Haltung: Wenn ich auf ein unerwartetes Angebot hin die Arme verschränke, den Kopf zurückziehe und die Stirne krausziehe, erscheint mir das „seltsame Angebot“ einfach immer dümmer, abseitiger, sinnloser.
Wenn ich hingegen freudestrahlend auf es zugehe, nicke, mich auch körperlich für es öffne, feuern die Nervenbahnen im Gehirn, und die Wahrscheinlichkeit erhöht sich ungemein, dass sich mir ein Sinn...

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