Es ist kein Leichtes, beim Gehen den richtigen Ton zu treffen, den Himmel zum Abschied nicht zu sehr zu berühren.
Himmel der Vergangenheit. Wilfried Schulz war in den herrlichen, heute komplett zu Recht so glorifizierten 1990er-Jahren mein Dramaturg, der für mich wichtigste Begleiter bei meinen Abenteuern am Theater damals in Hamburg. Frank Baumbauer war der Intendant, Wilfried der leitende Dramaturg. Beider größtes Geschenk war ihre absolute VERLÄSSLICHKEIT. Ich kannte das bisher aus meinem Verlag, von der Zusammenarbeit mit meinen Lektoren Manfred Ortmann und Hans-Ulrich Müller-Schwefe, hatte aber in anderen Institutionen, vor allem im Journalismus, oft auch das Gegenteil erlebt. Bei Wilfried galt definitiv das Vereinbarte, auch wenn es vieles war, das man gesprächsweise zu klären hatte und einander verbindlich zusagen musste. Denn es war ihm ein Anliegen, ganz genau zu verstehen, was der andere, ich, meinte, und zu verstehen, ob ich verstanden hatte, was er selbst meinte, worauf genau man sich also gegenseitig verpflichtete.
Die Basis dieser freundlichen Präzision war vielleicht naturellmäßige Aufrichtigkeit; dazu die Sehnsucht, gerade am Theater, wo es der Auftrag ist, auch die ganze Abgründigkeit und Kaputtheit der menschlichen Natur auf der Bühne zu zeigen, die kollektiven Prozesse des Produzierens von diesen Kaputtheiten aber möglichst freizuhalten, einander...