Das Ausnahme-Stadttheater
Daten und Zahlen zu einem Haus im Herzen der Stadtgesellschaft
von Hilko Eilts
Erschienen in: Live und in HD – Intendanz Holger Schultze 2011–2026 (04/2026)

Besucht man Heidelberg zum ersten Mal und flaniert durch die historische Altstadt, kann es einem passieren, dass man am städtischen Theater, ohne es zu bemerken, einfach vorbeiläuft. Denn das Heidelberger Theater gehört nicht zu jenen der zahlreichen Häuser in Deutschland, die baulich von absolutistischer Prunk- oder bürgerlicher Großmannssucht geprägt wurden. Es ist kein von einem prominenten Architektenbüro des 19. Jahrhunderts entworfener baulicher Monolith, der den monumentalen Abschluss eines Repräsentationsboulevards bildete, wie etwa in Augsburg. In Heidelberg liegt das Theater vielmehr fast versteckt zwischen zweistöckigen, jahrhundertealten Wohnhäuserfronten, ursprünglich entworfen vom hiesigen Stadtbaumeister. Es ist unaufgeregt-organischer Bestandteil des innerstädtischen Gebäudemilieus, ein Stadt-Theater im bildlichsten Sinne. Selbst die eingreifenden Umbauten von 1924/25 und 2009 bis 2012 haben daran nichts geändert.
Diese Unscheinbarkeit war überhaupt erst Voraussetzung dafür, dass Heidelberg 1853 sein erstes stehendes Theater bekommen konnte. Nicht in Konkurrenz treten durfte es zum Hof- und Nationaltheater Mannheims, weshalb es per fürstlichem Dekret sogar bis in die 1830er-Jahre fahrenden Truppen grundsätzlich verboten war, in Heidelberg auch nur zu gastieren. Schließlich wurde das Theater in Heidelberg im Gegensatz zu dem Mannheimer durch eine von Bürgern der Stadt gegründete, mit bescheidenen Mitteln ausgestattete Aktiengesellschaft errichtet, die das Theater an Direktoren verpachtete, denen die heikle Aufgabe zukam,...

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