Unter den Studierenden, die Helmar schon besser kannten, waren Sprechstundentermine immer auch mit einer gewissen Angst verbunden. In der Seminar- oder Doktorarbeit war man auf ein ganz konkretes Problem gestoßen, mit dem man einfach nicht weiterkam, weswegen ein Gespräch mit dem Betreuer weiterhelfen sollte. In der Regel konnte zwar für das Problem, wegen dem man gekommen war, eine gute Lösung gefunden werden, allerdings ging man auch – so die mit der Zeit unter seinen Studierenden zum Running Gag gewordene Erfahrung – mit mindestens zehn neuen offenen Fragen aus der Sprechstunde wieder raus, die sich vorher so eigentlich noch gar nicht gestellt hatten. Die Welt wurde in den Seminaren und Gesprächen mit Helmar eben immer komplexer, damit aber auch interessanter und aufregender. Trotz oder wohl eher wegen dieser dem herrschenden Zeitgeist in einem durchaus doppelten Sinne zuwiderlaufenden unökonomischen Denk- und Arbeitsweise – alles hat immer viel länger gedauert als geplant, und man wusste eigentlich nie, wohin die eigene Reise langfristig gehen sollte – waren seine Lehrveranstaltungen sehr beliebt, auch wenn sie meist einen beträchtlichen Mehraufwand an Arbeit bedeuteten.
Ein Band mit ausgewählten Aufsätzen aus vier Jahrzehnten zu seinem Gedenken widerspricht auf den ersten Blick geradezu dieser unökonomischen Denk- und Arbeitsweise Helmars,...