Theater der Zeit

Stück

Die Rückkehr der Fährfrauen*

– Ein Passagenritus –

von Sarah Calörtscher

Erschienen in: Theater der Zeit: Theater in der Ukraine (02/2026)

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«Ich merke, ich bin hier flüssiger als flüssig, nämlich überflüssig.»

H. P. Calörtscher

Uraufgeführt am Luzerner Theater am 13. November 2025

© Hartmann & Stauffacher, Köln

ES TRETEN AUF:

DIE FÄHRFRAU, DIE SO TUT, ALS WÜRDE SIE DAS HAPPY DYING RETREAT FÜHREN

EINE FILMEMACHERIN, DEREN ELTERN SIE PERSEPHONE GENANNT HABEN

EIN SCHAUSPIELER, DER NICHT AUFHÖREN KANN

EINE MYRMEKOLOGIN, DIE ÜBER AMEISEN SPRICHT

ZWEI UNTOTE, DIE EINEN PODCAST MACHEN

DIE FÄHRFRAUEN*

Es hat:

DINGE, ÜBER DIE NICHT GESPROCHEN WIRD

DINGE, DIE NICHT VERGESSEN WERDEN DÜRFEN

DINGE UNTER DER ERDE

DIE FÄHRFRAU und der SCHAUSPIELER spielen die Untoten.

PERSEPHONE spielt die Myrmekologin.

DIE AUFTRETENDEN wissen häufig nicht genau, was sie tun und wo sie sind.

DAS RITUAL DER ÜBERGÄNGE

Es ist eine Versammlung

Es ist eine Anleitung

Es ist eine Orientierungshilfe

Es ist eine Annäherung

Es ist ein Übergang

Es ist ein Abend

Es ist ein Ort, an dem Körper sind

Es ist ein Leitfaden

Es ist ein Ritual

Es ist ein Spiel

Es ist kein Spiel

Es ist ernst

Und vielleicht zu spät[1]

 


[1] Übergänge gibt es ja viele, sie sind überall zu finden: Haustüren, Zimmertüren, Saaltüren, Theatertüren, Eingangstüren, Schwellen und derlei, aber auch im Leben, nur sind sie da manchmal nicht so einfach zu fassen wie ein Türrahmen, oder wann hört der Mensch etwa auf Kind zu sein, oder: Ist eine erwachsene Person, die sich nie alt fühlt, dann alt, wenn sie das Alter erreicht hat, in dem sie gedacht hat, sie würde sich alt fühlen? Auf jeden Fall geben wir uns Mühe, die Übergänge zu markieren, meistens feiern wir ein Fest und machen solche Dinge wie Reiswerfen und Glas zerbrechen und Schwarz tragen und Kerzen anzünden etc. Vielleicht gibt es am Ende des Lebens einen eindeutigen Übergang, wie auch am Anfang des Lebens, da fängt ohne Zweifel etwas an und am Ende endet etwas, davon wissen wir aber nicht viel, also – wir wissen nicht mit hundertprozentiger Sicherheit, was da wie und wo endet. Übergänge gibt es übrigens auch am Körper, beispielsweise vom Oberschenkel zum Unterschenkel ist das Knie der Übergang, und der Hals vom Kopf zur Brust, aber die Brust auch vom Hals zum Bauch, und der Haaransatz ist auch ein Übergang, wobei der sich bei manchen parallel zum Alter verschiebt oder aber auch gleich von dannen zieht,und die Haut ist ein Übergang von innen nach aussen und aussen nach innen. Ein Übergang ist zwischen zwei Dingen, also das, was zwischen A und B passiert, die Reise von A nach B, das Schon-losgefahren-Sein aber Noch-nicht-angekommen-Sein, und es ist definitiv kein Ort, an dem Mensch gerne verweilt. Es ist eher ein Durchreise-Ort, hier wird hindurchgereist, also etwas ist in Bewegung, vielleicht meistens man selbst. Vor allem wäre es gut, keine Angst zu haben, vor dem Übergang, denn es gibt gewisse Übergänge, die will sich niemand antun, da will niemand wirklich durch und dann tritt auch niemand die Reise wirklich an, denn wie schon gesagt, wenn du mal in Bewegung bist – im Übergang –, dann gibt’s keinen Stillstand mehr, dann geht’s halt einfach durch und rüber.

 

ERSTER TEIL

PREENACTMENT

Die Fährfrau tritt auf.

Die Fährfrau tritt ab.

Die Fährfrau tritt auf.

Die Fährfrau tritt ab.

Die Fährfrau tritt auf.

Die Fährfrau tritt ab.

Die Fährfrau tritt auf.

Sie dreht sich im Kreis.

Sie tanzt.

Vielleicht ist sie auch nur ver(w)irrt.

Sie murmelt.

Die Fährfrau tritt ab.

Der Schauspieler tritt auf.

SCHAUSPIELER Wir sind hier versammelt – um ins

ins Ungewisse

– ins – vielleicht.

Es ist eine Versammlung, eine lose Aneinander-

Empfehlungen, wie es sich gut – gehen.

Also, ein Leitfaden, sich zu empfehlen – für immer. Also sich für immer –

Wir versammeln – sammeln uns, um auf die andere.

Über den Jordan gehen, über die Wupper, über die

Reuss – gehen.

Gelinde gesagt –

Es ist, weil wir alle, also wir alle mal, einmal.

Mit den Fröschen, Fischen, schlafen.

Vor die Hunde – naja.

Der Schauspieler tritt ab.

Persephone tritt auf.

Sie sieht die DINGE, wie sie sind.

Sie öffnet den Mund, wie um etwas zu sagen.

Persephone hält die Luft an, solange es geht.

Sie entscheidet sich, zu gehen.

Die Fährfrau tritt auf. Kurz darauf der Schauspieler.

DIE FÄHRFRAU Es ist ein Schlund,

der dich verschluckt, und eh du dich versiehst, stehst du auf der anderen Seite. So stellen sie es sich vor, das Ritual.

Es gibt ein Vorher und ein Danach.

Ein Es war so und Genau ab jetzt ist es anders

Aber Zeit kennt keine Zäsuren.

Es ist immer so und dann anders und anders wird zum so und so zum anders und wieder – wieder

Ich sag immer – sage immer – ja, was denn?

Ich spreche hier, um etwas werden zu lassen, und das ist zumindest ein Anfang.

Also: Wir beginnen jetzt.

Jetzt.

Wo ist er?

Ah

Da ist er ja.

SCHAUSPIELER: Anwesende – alle Anwesende – Abwesende

Alle hier – sind – nun, da.

FÄHRFRAU: Was sagst du.

SCHAUSPIELER Nichts.

FÄHRFRAU Du hast doch eben gemurmelt.

SCHAUSPIELER Du täuschst dich.

FÄHRFRAU Beginnen wir.

SCHAUSPIELER Ich könnte heute auch mal –

FÄHRFRAU Was?

SCHAUSPIELER Sprechen.

FÄHRFRAU Heute?

SCHAUSPIELER Heute.

FÄHRFRAU Ganz und gar unpassend.

SCHAUSPIELER Ganz und gar?

FÄHRFRAU Ganz und gar.

SCHAUSPIELER Es ist nur –

FÄHRFRAU Ja?

SCHAUSPIELER Wir spielen immer die gleichen Rollen …

FÄHRFRAU Und?

SCHAUSPIELER Wir drehen uns im Kreis – es muss auch mal vorwärts gehen.

FÄHRFRAU Wieso nicht im Kreis bewegen?

SCHAUSPIELER Es passiert nichts.

PERSEPHONE Hallo?

Schweigen.

PERSEPHONE Hallo, ist jemand hier?

SCHAUSPIELER Wer ist das?

FÄHRFRAU Ich weiss es nicht –

SCHAUSPIELER Ist das eine Person, die –

FÄHRFRAU Wahrscheinlich.

PERSEPHONE Hallo, ich hör euch doch flüstern.

SCHAUSPIELER Meinst du, sie weiss –

FÄHRFRAU Nein.

PERSEPHONE Ich bin zum Filmen hier.

SCHAUSPIELER Filmen! Wieso ist sie hier?

FÄHRFRAU Wieso bist du hier?

PERSEPHONE Würden Sie mir kurz sagen, ob ich hier richtig bin?

SCHAUSPIELER Jaja, hier sind wir!

FÄHRFRAU Wir haben auf Sie gewartet.

SCHAUSPIELER Haben wir?

PERSEPHONE Ich bin Persephone.

FÄHRFRAU Persephone – ich erinnere mich vage –

PERSEPHONE Die Filmerin. Sie haben mich angerufen.

SCHAUSPIELER Was filmen Sie denn?

PERSEPHONE Das fragen Sie mich? Ich soll einen Marketing-Film drehen für Ihr – also – was ist das hier?

FÄHRFRAU Manche nennen es ein Retreat.

SCHAUSPIELER Retreat –

FÄHRFRAU Das HAPPY DYING RETREAT.

SCHAUSPIELER Happy dying?

FÄHRFRAU Ja, das HAPPY DYING RETREAT.

Und Sie heissen wirklich Persephone?

PERSEPHONE Ich pack jetzt die Kamera aus.

SCHAUSPIELER Kamera?

PERSEPHONE Ja. Ich filme.

SCHAUSPIELER Sie filmen!

PERSEPHONE Sobald ich weiss, was, ja.

FÄHRFRAU Nun, wir könnten es Ihnen zeigen.

PERSEPHONE Gut, dann packe ich aus –

FÄHRFRAU Sie könnten einmal zuschauen.

PERSEPHONE Dann verlieren wir Zeit.

SCHAUSPIELER Hier gibt's nichts zu verlieren.

FÄHRFRAU Wie wäre es mit dem – Standardritual?

SCHAUSPIELER Standardritual?

FÄHRFRAU Standardritual.

SCHAUSPIELER Richtig. Ich bin bereit.

FÄHRFRAU Also.

Alle Anwesenden

und alle Abwesenden –

und die dazwischen –

PERSPEPHONE Dazwischen?

FÄHRFRAU Ja, und die dazwischen –

Wir sind hier versammelt.

Weil – wir uns verabschieden wollen.

Hier sind wir nun am Übergang stehend

und voller Schmerz.

Es ist eine Zäsur.

Atmen Sie ein. Atmen Sie aus.

Alles ist gut.

SCHAUSPIELER Alles ist gut.

FÄHRFRAU Dann wenden wir uns nun dem zu, der gegangen ist.

SCHAUSPIELER Viel zu früh.

FÄHRFRAU Mein Beileid zu diesem Verlust.

SCHAUSPIELER Danke.

FÄHRFRAU Tragisch.

SCHAUSPIELER Ja.

FÄHRFRAU Anfangs ist es immer merkwürdig.

SCHAUSPIELER Hm.

FÄHRFRAU Setzen Sie sich hier hin.

SCHAUSPIELER Vielleicht wäre dort das Licht etwas –

FÄHRFRAU Wie fühlt es sich an?

SCHAUSPIELER Sie meinen?

FÄHRFRAU Sie wissen schon.

SCHAUSPIELER Ah ja. Es ist immer

Wenn jemand

Also

Wenn es vorbei –

Haben wir denn genug Licht –

FÄHRFRAU Jaja, das Licht des Todes wirft immer Schatten ins Leben.

SCHAUSPIELER Sehen Sie mich?

PERSEPHONE Ich?

FÄHRFRAU Er gehört dazu.

PERSEPHONE Wer?

FÄHRFAU Der Tod.

SCHAUSPIELER Wegen dem Licht im Gesicht –

FÄHRFRAU Ich glaube, du wolltest etwas anderes sagen.

SCHAUSPIELER Ja, aber ich dachte nur, das Licht.

FÄHRFRAU Das Licht?

SCHAUSPIELER Haben wir denn genug Licht im Gesicht?

PERSEPHONE Vielleicht, wenn Sie sich ein wenig weiter da hinüberstellen –

SCHAUSPIELER So?

PERSEPHONE Damit kann ich arbeiten.

SCHAUSPIELER Sind Sie sicher? Ist denn mein Gesicht noch erkennbar?

PERSEPHONE Ihr Gesicht – es kommt mir bekannt vor.

FÄHRFRAU Das geht so nicht, wenn ich ständig unterbrochen werde. Also.

SCHAUSPIELER Also?

FÄHRFRAU Beginnen wir von vorne.

An alle, die hier sind

und an jene, die noch hier sind

und jene, die im Begriff sind zu gehen

Wir haben uns versammelt,

weil uns ein Abschied bevorsteht

Wir stehen hier auf beiden Seiten zugleich

Und reichen uns die Hand

Es ist eine Zäsur.

Atmen Sie ein. Atmen Sie aus.

Alles ist gut.

SCHAUSPIELER Alles ist –

FÄHRFRAU Dann wenden wir uns nun dem zu, der gegangen ist. Sie standen ihm nah.

SCHAUSPIELER Sehr nah.

FÄHRFRAU Mein Beileid zu diesem Verlust.

SCHAUSPIELER Danke.

FÄHRFRAU Tragisch.

SCHAUSPIELER Ja.

FÄHRFRAU Anfangs ist es immer merkwürdig.

SCHAUSPIELER Es ist schwer.

FÄHRFRAU Sie schaffen das. Wie fühlen Sie sich?

SCHAUSPIELER Ich weiss, wie ich mich – fühlen soll

Es ist nur –

Gut – Also

Menschen machen das halt.

Sie gehen – vergehen und – und

FÄHRFRAU Und?

SCHAUSPIELER Und verfallen und –

FÄHRFRAU Bist du nervös, weil sie zuschaut?

PERSEPHONE Meinen Sie mich?

SCHAUSPIELER Es ist etwas ungewohnt, ja.

FÄHRFRAU Nun, vielleicht müssen Sie doch mitmachen?

PERSEPHONE Wobei?

SCHAUSPIELER Mitmachen? Das ist – eine grossartige Idee!

PERSEPHONE Wobei mitmachen?

SCHAUSPIELER Es ist ganz einfach – kommen Sie näher und seien Sie ganz Sie selbst.

PERSEPHONE Welche denn?

FÄHRFRAU Wie, welche?

PERSEPHONE Scherz.

SCHAUSPIELER Also, von vorne.

FÄHRFRAU An die Dagebliebenen

An die, die gegangen sind

Und jene, die den Unterschied nicht kennen

Diese Versammlung, heute Abend, Abschied,

und so weiter und so fort –

alles ist gut, mein Beileid, tragisch.

SCHAUSPIELER Furchtbar.

FÄHRFRAU Schmerzhaft.

SCHAUSPIELER Ungerecht.

Warten.

PERSEPHONE Muss ich etwas sagen?

FÄHRFRAU Das wäre angebracht.

SCHAUSPIELER Kannten Sie mich – ihn?

PERSEPHONE Ähm. Nein.

SCHAUSPIELER Sie müssen ihn gekannt haben, sonst wären Sie nicht hier.

PERSEPHONE Sie meinen es ernst.

FÄHRFRAU Das Sterben hat es so an sich, ernst zu sein.

PERSEPHONE Ja gut, entfernt kannte ich ihn, ja.

SCHAUSPIELER Das tut mir leid.

PERSEPHONE Dass ich ihn kannte?

SCHAUSPIELER Dass er jetzt – Sie wissen schon –

PERSEPHONE Ist er denn?

FÄHRFRAU Sprechen Sie nun Ihre Worte des Abschieds.

SCHAUSPIELER Gib mir einen Moment.

Warten.

PERSEPHONE Warum spricht er nicht weiter?

SCHAUSPIELER Manche mögen es, wenn es einfach still ist.

Stille.

SCHAUSPIELER Sie wird unterschätzt, die Stille.

Stille.

SCHAUSPIELER Andere halten sie kaum aus.

Stille.

SCHAUSPIELER In meinem Schauspielstudium habe ich gelernt, Stille auszuhalten.

FÄHRFRAU Wirklich?

SCHAUSPIELER Ich kann so einiges aushalten. Früher war ich mal –

FÄHRFRAU Offenbar bist du der einzige Schauspieler, der nicht vor ­Publikum spielen kann.

PERSEPHONE Ich kann sonst auch nochmal rausgehen –

SCHAUSPIELER Nein! Alle bleiben genau da, wo sie sind. Ich brauche nur einen Moment.

Warten.

SCHAUSPIELER Haben Sie schon einmal einen Film fürs Kino gedreht?

PERSEPHONE Nicht direkt.

SCHAUSPIELER Sie sind bestimmt trotzdem sehr talentiert.

PERSEPHONE Ich weiss nicht.

SCHAUSPIELER Mein Gesicht ist berühmt.

PERSEPHONE Jetzt wo Sie es sagen –

SCHAUSPIELER Ja?

PERSEPHONE Sie kommen mir tatsächlich bekannt vor.

SCHAUSPIELER Bestimmt erkennen Sie es gleich –

PERSEPHONE Was?

SCHAUSPIELER - ein bestimmtes Auftreten –

PERSEPHONE Ich weiss nicht –

SCHAUSPIELER – die trainierte Stimme – der sichere Schritt –

PERSEPHONE …

FÄHRFRAU (räuspert sich)

SCHAUSPIELER Jaja, schon gut.

FÄHRFRAU Wo waren wir denn?

SCHAUSPIELER Worte des Abschieds.

FÄHRFRAU Genau. Schliessen Sie die Augen. Stellen Sie sich vor, Sie würden direkt vor sich selbst stehen. Schauen Sie in den Spiegel – das ist Ihr Moment.

SCHAUSPIELER Er war ein wertvolles Mitglied dieser Gesellschaft.

FÄHRFRAU Gut.

SCHAUSPIELER Er gab sich stets Mühe.

FÄHRFRAU Vielleicht etwas, das weniger nach Arbeitszeugnis klingt?

SCHAUSPIELER Er war ein guter Mensch.

FÄHRFRAU Sprechen Sie zu ihm.

SCHAUSPIELER Du warst ein guter Mensch.

FÄHRFRAU Und?

SCHAUSPIELER Und ein hervorragender Schauspieler.

FÄHRFRAU Ach.

SCHAUSPIELER Viel gefeiert in jungen Jahren, eine Karriere sondergleichen, eine nie enden wollende Flut an Angeboten, und dieses Talent – ich erinnere mich an diesen einen Monolog, dessen Text mir noch so vor Augen ist, als wäre es eben erst gestern gewesen –

FÄHRFRAU Oh nein.

SCHAUSPIELER «Morgen, und morgen, und dann wieder morgen

Kriecht so mit kleinem Schritt von Tag zu Tag,

Bis zur letzten Silb’ auf unserm Lebensblatt;

Und alle unsre Gestern führten Narr’n

Den Weg des stäub’gen Tods. – Aus! Kleines Licht! –

Leben ist nur ein wandelnd Schattenbild:

Ein armer Schauspieler, der spreizt und knirscht

Sein Stündchen auf der Bühn’, und dann nicht mehr vernommen wird – »

Wie fanden Sie das?

PERSEPHONE Wenn ich ehrlich sein soll –

SCHAUSPIELER Ja bitte.

PERSEPHONE Es war etwas viel.

SCHAUSPIELER Das war Shakespeare!

PERSEPHONE Ich gehe nicht häufig ins Theater.

SCHAUSPIELER «Und Dinge sah ich, die würdet ihr nicht glauben,

Schiffe zu Feuer an Orions Schulter,

C-Strahlen in der Dunkelheit,

nah des Tannhäuser-Tors

All diese Momente werden verloren gehen,

wie Tränen im Regen – »

PERSEPHONE «Zeit zu sterben!»

SCHAUSPIELER « – Zeit zu sterben».

FÄHRFRAU Das Ritual ist noch nicht vollendet!

SCHAUSPIELER Das ist ein Filmzitat.

PERSEPHONE Blade Runner.

SCHAUSPIELER Ein Meisterwerk seiner Zeit!

PERSEPHONE Kontrovers, explizit sexistisch und die immer gleiche Heldengeschichte erzählend.

SCHAUSPIELER Dacht’ ich mir, dass Sie das denken.

PERSEPHONE Denken Sie, Deckard war ein Replikant?

FÄHRFRAU Ein was?

PERSEPHONE Ein Replikant: ein künstlich erschaffenes, bio-organisches Wesen – fast nicht von echten Menschen zu unterscheiden.

SCHAUSPIELER Der Film lässt es bewusst offen.

PERSEPHONE Unsinn! Das Pferd vor der Tür verweist darauf, dass seine Träume programmiert sind.

FÄHRFRAU Das Pferd vor der Tür?

SCHAUSPIELER Harrison Ford hat ihn als Menschen gespielt –

FÄHRFRAU Harrison F – es reicht! Das funktioniert so nicht. Wo waren wir denn?

SCHAUSPIELER Beginnen wir einfach nochmals.

FÄHRFRAU Ich will es mit jemand anderem versuchen.

SCHAUSPIELER Jemand anderem?

PERSEPHONE Hier sind noch andere?

SCHAUSPIELER Ausser uns drei, nein.

PERSEPHONE Moment, hören Sie das?

FÄHRFRAU Was?

PERSEPHONE Das Rauschen.

SCHAUSPIELER Ich höre nichts.

PERSEPHONE Es rauscht doch hier irgendwo –

SCHAUSPIELER Da ist nichts.

PERSEPHONE Jetzt ist es weg.

Ich pack jetzt die Kamera aus und Sie sagen mir, was hier genau gespielt wird.

FÄHRFRAU Menschen sterben.

PERSEPHONE Sterben?

SCHAUSPIELER Metaphorisch!

PERSEPHONE Wie beruhigend. Ich dachte, ich sei zum Filmen hier.

FÄHRFRAU Was dachten Sie denn, was Sie hier filmen werden?

PERSEPHONE Einen Werbefilm. Für Ihr Retreat.

SCHAUSPIELER Sehen Sie, wir versuchen hier einen anderen Umgang mit – damit – zu haben.

PERSEPHONE Sie machen hier Sterbehilfe.

SCHAUSPIELER Nicht direkt. Menschen wollen nicht über ihr Abtreten, ihr – Dahinschweben – Davonweichen, ihr –

FÄHRFRAU Sterben.

SCHAUSPIELER Ja, sie kommen hierher und wir spielen ihnen etwas vor, was ihnen hilft, den Blick aufs Leben zu schärfen.

PERSEPHONE Sie faken den Tod?

FÄHRFRAU Eine Art Ritual. Oder Hilfestellung – es wird Ihnen helfen, loszulassen.

PERSEPHONE Mir?

SCHAUSPIELER Lassen Sie mich eine Rolle in Ihrem Leben spielen – eine Schwester im Streit, mit der Sie sich schon immer versöhnen wollten, eine lang schon vergessene Freundschaft – das, was ich tue, erfordert ein tiefes Verständnis für die menschliche Seele.

Sehen Sie, das Leben ist wie eine Bühne, und wenn Sie –

PERSEPHONE Hören Sie, ich brauch Ihr Selbsterleuchtungs-

Dingsda nicht.

FÄHRFRAU Sie irren sich. Immerhin sind Sie nicht zufällig hier.

PERSEPHONE Ich bin hier, weil ich meine Miete zahlen muss.

SCHAUSPIELER Granatapfelkern?

PERSEPHONE Wie bitte?

SCHAUSPIELER Ob Sie einen Granatapfelkern wollen.

PERSEPHONE Ich – nein, danke. Wie meinen Sie das, «nicht zufällig»?

FÄHRFRAU Sie wissen, was Ihr Name bedeutet?

PERSEPHONE Ja, danke.

FÄHRFRAU Ihr Name ist ein Zeichen.

PERSEPHONE Wie würde es Ihnen gehen, wenn Ihre Eltern Sie nach einer griechischen Göttin benannt hätten, die in die Unterwelt verschwunden ist?

SCHAUSPIELER Entführt.

PERSEPHONE Darüber lässt sich streiten.

FÄHRFRAU Namen sind nicht zufällig gewählt. Irgendjemand hat sich dabei was gedacht.

PERSEPHONE Mein Name ist kein fucking Zeichen und er bedeutet nichts. Glauben Sie mir. Wenn ich meine Eltern gefragt habe, sagten sie, dass sie den Klang mochten. Sie sagten, sie fänden es witzig. Einmal sagten sie auch, meine Urururgrossmutter hätte schon so geheissen.

Die beste Antwort war aber: Wir haben uns in einem Club kennengelernt, der «Underworld» hiess. Wenn mich jemand fragt, woher ich komme, sag ich: aus der Unterwelt – und sie lachen, weil sie denken, es sei ein Scherz.

FÄHRFRAU Eine Göttin, fähig zwischen den Welten zu wandeln.

PERSEPHONE Mit einem patriarchalen asshole als Vater.

FÄHRFRAU Ein Bindeglied zwischen alt und neu.

PERSEPHONE Und einer ko-abhängigen Beziehung zur Mutter.

FÄHRFRAU Im Übergang geboren.

PERSEPHONE Die sich nicht entscheiden kann und nirgends wirklich hingehört. Nie ganz tot, aber auch nie ganz lebendig. Ein Kipppunkt-Kind, das ewig hin und her schaukelt, ohne je im Gleichgewicht zu sein.

FÄHRFRAU Über welche Persephone sprechen wir gerade?

PERSEPHONE Ich war von Geburt an nichts anderes als Klebemittel zwischen zwei Seiten.

FÄHRFRAU Was, wenn heute der letzte Tag Ihres Lebens ist?

PERSEPHONE Wieso sollte ich heute sterben?

SCHAUSPIELER Man kann nie wissen, wann der letzte Vorhang fällt -

PERSEPHONE Es ist ganz sicher niemand anderes hier ausser uns drei?

FÄHRFRAU Nein.

SCHAUSPIELER Wir sind oft allein.

FÄHRFRAU Ich glaube, wir können etwas für Sie tun.

PERSEPHONE Ich dachte, ich soll etwas für Ihr Retreat tun.

FÄHRFRAU Die Menschheit will nicht mehr über ihren Tod sprechen. Sie nimmt sich keine Zeit mehr, ihre eigene Sterblichkeit zu pflegen. Niemand sitzt mehr da – sagen wir ca. 90 Minuten – und lässt sich etwas übers Sterben erzählen.

PERSEPHONE Ich weiss, worauf Sie hinauswollen: «Lebe jeden Tag so, als könnte es dein letzter sein.»

FÄHRFRAU Loslassen ist ein Ritual.

PERSEPHONE Von welchem Teebeutel haben Sie das denn geklaut?

SCHAUSPIELER Sie bekommen eine lebensverändernde Erfahrung und können danach Ihre Aufnahme machen.

PERSEPHONE Das hört sich nicht nach einem Vorteil an.

SCHAUSPIELER Aber nach einer Chance.

PERSEPHONE Fragt sich nur für wen.

SCHAUSPIELER Und Sie haben die Ehre, mit mir zu spielen.

FÄHRFRAU Es wird Ihnen danach besser gehen.

PERSEPHONE Vielleicht geht es mir schon gut genug.

FÄHRFRAU Sie brauchen keine Angst zu haben.

PERSEPHONE Hab ich nicht.

FÄHRFRAU Dann kommen Sie näher.

Ich beisse nicht.

Schliessen Sie die Augen.

Ein Fluss rauscht zu Ihren Füssen.

Sie laufen am Ufer entlang. Schon sehr, sehr lange. Bis Sie zur Fähre kommen.

Die Fährfrau* hat gerufen. Darum sind Sie hier.

Sie steigen ein und – Sie sterben.

PERSEPHONE Ich gehe einfach so mit?

SCHAUSPIELER Sie sterben.

PERSEPHONE Von mir aus.

FÄHRFRAU Sie stehen vor Ihrem sterbenden Ich. Was sagen Sie ihm?

PERSEPHONE Ich fühle mich nicht tot.

FÄHRFRAU Fühlen Sie sich denn lebendig?

PERSEPHONE Ich denke, dass wir von Anfang an sterbend sind. Unsere Zellen sterben, unser Gewebe stirbt, Haare sterben.

Fühle ich mich lebendig? Weder noch.

Als könnte ich mich nicht vorwärtsbewegen, nicht rückwärts. Dann denke ich: Krebse bewegen sich seitwärts. Aber ich bin kein Krebs.

Und ich glaube nicht an Sternzeichen.

Ich lese die Horoskope der anderen und schaue, was davon zu mir passt.

FÄHRFRAU Nicht ablenken! Was sagen Sie ihm?

PERSEPHONE Ich sage – es sieht nicht gerade gut für dich aus.

FÄHRFRAU Und weiter?

PERSEPHONE «Ich weiss jetzt, warum du weinst. Aber das ist etwas, was ich niemals tun kann.»

FÄHRFRAU Schön –

SCHAUSPIELER Ha! Das war Arnold Schwarzenegger!

PERSEPHONE Dacht’ ich mir, dass Sie den mögen.

SCHAUSPIELER Was soll das heissen?

FÄHRFRAU Du bist gerade keine Hilfe.

SCHAUSPIELER Sie hat doch angefangen.

PERSEPHONE Hören Sie, wenn ich nichts filmen soll, dann erledigt sich das hier jetzt und ich gehe.

SCHAUSPIELER Ich will es nochmals versuchen. Nur –

FÄHRFRAU Ja?

SCHAUSPIELER – wir könnten die Rollen einmal tauschen.

FÄHRFRAU Nein.

PERSEPHONE Warum nicht?

FÄHRFRAU Es ist kompliziert.

PERSEPHONE So kompliziert hat das nicht ausgesehen.

FÄHRFRAU Ich kann keine andere Rolle spielen.

PERSEPHONE Vielleicht sollten Sie sich einfach darauf einlassen. Es scheint, Sie könnten ein bisschen Veränderung gut gebrauchen.

FÄHRFRAU Bitte?

SCHAUSPIELER Das denke ich allerdings auch, dass dir Veränderung guttun würde.

FÄHRFRAU Das denkst du also.

SCHAUSPIELER Nun – ja.

FÄHRFRAU Na dann.

SCHAUSPIELER Also – kann ich?

FÄHRFRAU Nur zu.

SCHAUSPIELER An alle Anwesenden – An alle Verwesenden –

Ich meine Abwesenden – Dahinsiechenden –

Jene, die anfangen, keine Menschen mehr – zu stinken und also. Die Auflösung – und

Wir sind versammelt um – weil – wir alle

Alle.

In den Staub – das Zeitliche – ja.

Segnen. Sie wissen schon.

Wenn jemand plötzlich nicht mehr – unter uns.

Also schon unter uns – die Radieschen von unten, Gänseblümchen hochdrücken, den Löwenzahn von der Wurzel her –

FÄHRFRAU Lächerlich.

SCHAUSPIELER Ich war noch nicht fertig!

FÄHRFRAU Offensichtlich.

SCHAUSPIELER Früher, da hätte ich dich an die Wand gespielt. Ich war grossartig, fürchterlich grossartig. Alle wollten mich sehen.

FÄHRFRAU Du kannst einfach nicht loslassen.

SCHAUSPIELER Ich kann nicht loslassen?

FÄHRFRAU Du bist noch hier, oder?

SCHAUSPIELER Weil du mich brauchst.

FÄHRFRAU Vorübergehend.

PERSEPHONE Da, es rauscht doch wieder. Ist es das Blut in meinen Ohren?

SCHAUSPIELER Sie sind dabei, zur Untoten zu werden.

PERSEPHONE Ich gehe.

SCHAUSPIELER Warten Sie!

PERSEPHONE Es ist genug.

SCHAUSPIELER Wollen Sie einen Granatapfelkern?

PERSEPHONE Nein, ich will keinen Granatapfelkern.

SCHAUSPIELER Bleiben Sie doch noch einen Augenblick.

PERSEPHONE Ich kann nichts für Sie tun.

SCHAUSPIELER Denken Sie, dass ich ein guter Schauspieler bin? Ich könnte auch Ihren Vater oder Ihre Mutter spielen, Eltern kann ich gut –

PERSEPHONE Sie haben sie doch nicht mehr alle.

SCHAUSPIELER Sie können nicht gehen.

PERSEPHONE Werde ich aber.

SCHAUSPIELER Sie verstehen nicht: Es ist nicht möglich.

PERSEPHONE Unsinn!

SCHAUSPIELER Wie sind Sie hergekommen?

PERSEPHONE Das ist lächerlich.

SCHAUSPIELER Wie kamen Sie hierher?

PERSEPHONE Über diesen Fluss da, ich –, da –

SCHAUSPIELER Ja?

PERSEPHONE Ich weiss es nicht mehr – es ist weg.

Ich erinnere mich daran, wie ich heute morgen aufgestanden bin, wie ich meine Ausrüstung gepackt habe – dann Kaffee und Zigarette, draussen war es warm, ich hatte Kopfschmerzen und – mein Haar ist so nass … wieso ist mein Haar nass?

SCHAUSPIELER Wenn Sie nicht wissen, wie Sie hierhergekommen sind, wie können Sie dann wieder gehen?

PERSEPHONE Was ist das hier? Ein morbides Spiel von zwei Psychopathen?

FÄHRFRAU Wir halten Sie nicht fest.

PERSEPHONE Dann kann ich gehen?

FÄHRFRAU Versuchen Sie es.

Warten.

PERSEPHONE Ich kann nicht.

SCHAUSPIELER Wenn ich Sie wäre, würde ich da nicht reinfassen.

PERSEPHONE Der Fluss steht still. Irgendwo muss es stauen. So komme ich nicht hinüber.

FÄHRFRAU Sie stecken fest.

PERSEPHONE Heute morgen bin ich aufgestanden und habe meine Ausrüstung gepackt, dann bin ich aus dem Haus und … ich wollte noch baden! Ich sehnte mich nach diesem Reset-Gefühl, welches das Abtauchen in eiskaltes Wasser auszulösen vermag – wieso ist so viel Nebel in meinem Kopf?

Warten.

PERSEPHONE Oh.

SCHAUSPIELER Ja?

PERSEPHONE Bin ich tot?

FÄHRFRAU Nicht direkt.

Warten.

INTERMEZZO

UNDEAD:UNSCRIPTED

ZWEI UNTOTE machen einen Podcast.

Jingle.

UNTOTER Hi und herzlich willkommen bei Undead: Unscripted, der Podcast, der Fragen zum Untot-Sein beantwortet, die sich niemand zu stellen traut. Wir blicken hinter die Kulissen und erzählen euch, wie es sich so als Untote*r leibt und lebt. Das hier ist die vierhundertvierte Folge und wir freuen uns sehr, dass unsere Anzahl an Zuhörer:innen stetig wächst. Falls ihr uns noch nicht abonniert habt, folgt uns gerne auf allen gängigen sozialen Medien und schenkt uns einen Daumen hoch.

UNTOTER Für die Zuhörer:innen, die uns noch nicht so lange kennen: Wir reden hier immer unvorbereitet und nehmen kein Blatt vor den Mund – brace yourselves, würde ich mal sagen.

UNTOTER Jetzt lass uns mal beginnen, oder?

UNTOTER Wie immer beginnen wir mit den von euch eingereichten besten drei Witzen.

UNTOTER Und ich muss sagen, die Auswahl zu treffen wird jedes Mal schwieriger.

UNTOTER Absolut, es ist eine Herausforderung.

UNTOTER Indeed, und jetzt, leg los!

UNTOTER Ok, also hör zu:

UNTOTER Völlig Ohr!

UNTOTER Warum gehen Vampire nicht ins Fitness-Studio?

UNTOTER Ah, der ist gut! Keine Ahnung, warum?

UNTOTER Weil sie keinen Puls haben!

Lachen.

UNTOTER Ok, ich mach den nächsten.

Was haben Politiker:innen und Zombies gemeinsam?

UNTOTER Was?

UNTOTER Sie schlucken alles, was man ihnen vorsetzt, und saugen den Leuten das Hirn aus!

Lachen.

UNTOTER Ok, hör dir den an: Warum landen Vampire immer in toxischen Beziehungen?

Naja, sie wollen halt immer nur jemanden aussaugen.

Lachen.

UNTOTER Ich kann nicht mehr.

UNTOTER Aufhören!

Lachen.

UNTOTER Also gut.

UNTOTER Reissen wir uns zusammen.

Lachen.

UNTOTER Jetzt aber wirklich.

UNTOTER Vampire und Zombies! Die Menschen und ihre Vorurteile, oder?

UNTOTER Richtig, aber unsere treuen Zuhörer:innen wissen, dass wir uns von Begriffen wie Vampir und Zombie distanzieren – das sind keine selbstgewählten Bezeichnungen.

UNTOTER Apropos merkwürdige Bezeichnung, kommen wir doch mal zu unserem heutigen Gast.

UNTOTER Tolle Überleitung!

UNTOTER Danke – wir freuen uns sehr, dass sie da ist –

UNTOTER Sie sitzt uns gegenüber und sieht sehr lebendig aus.

MYRMEKOLOGIN Hi, ich bin Persephone und freue mich auch sehr, hier bei euch zu sein.

UNTOTER Fangfrage: Hörst du dir eigentlich unseren Podcast an?

MYRMEKOLOGIN Ja klar. Immer. Oft.

UNTOTER Persephone, viele unserer Zuhörer:innen fragen sich, wie es ist, mit Untoten zusammenzusitzen.

UNTOTER Machen wir dir Angst?

UNTOTER Buuuuuuh

MYRMEKOLOGIN Nicht wirklich, nein.

UNTOTER Schade.

UNTOTER Spass beiseite. Du bist hier, weil du Myrmekologin bist. Ich höre schon unsere Zuhörer:innen: Was zum Teufel –?

UNTOTER Den lassen wir mal schön aus dem Spiel!

MYRMEKOLOGIN Ich erforsche Ameisen.

UNTOTER Ok, ich dachte, wir seien unheimlich!

UNTOTER Siehst du, wir Untoten haben kein sonderlich gutes Verhältnis zu Ameisen.

UNTOTER Erzähl mal, wie kam es dazu?

MYRMEKOLOGIN Nun ja, um ehrlich zu sein, ich war schon als kleines Kind von Ameisen fasziniert.

UNTOTER Ah, das ist ja interessant, du wolltest nie was anderes werden?

MYRMEKOLOGIN Doch – ich hätte fast begonnen, Film zu studieren.

UNTOTER Film!

UNTOTER Und jetzt Ameisen?

MYRMEKOLOGIN Nun ja –

UNTOTER Was studiert man denn, wenn man in Ameisen verliebt ist?

MYRMEKOLOGIN Biologie, wobei viele Myrmekolog:innen nicht –

UNTOTER Wie bist du von der Idee, Film zu machen und selbst kreativ zu sein, darauf gekommen, Biologie zu studieren?

MYRMEKOLOGIN Vielleicht, weil für beides eine gute Beobachtungsgabe nötig ist.

UNTOTER Hilf uns auf die Sprünge.

MYRMEKOLOGIN Es gibt weit über 15.000 Ameisenarten – ihre schiere Vielfalt ist atemberaubend! Keine zwei Arten gleichen sich, sie besiedeln alle Klimazonen, tropisch, subtropisch, gemässigt –

UNTOTER Gutgut, überzeugt! Was fasziniert dich denn noch an den kleinen Viechern?

MYRMEKOLOGIN Sie sind essenziell für den ökologischen Kreislauf. Sie zerlegen Kadaver und transportieren kleine Fleischstücke in ihr Nest.

UNTOTER Würdest du sagen, dass Ameisen ganz besonders an toter Materie interessiert sind?

MYRMEKOLOGIN Ich versteh nicht, worauf die Frage hinausläuft, aber ja, das ist so.

UNTOTER Stellen wir uns unserer Angst.

UNTOTER Bist du dir sicher?

UNTOTER So sicher, wie ich sein kann.

UNTOTER Also gut – wir haben eine Frage für dich vorbereitet.

UNTOTER Denkst du, sie, die Ameise, würde uns auch – zerlegen?

MYRMEKOLOGIN Euch?

UNTOTER Siehst du, ich habe irgendwo gelesen, dass Ameisen über chemische Botenstoffe sofort riechen, wenn etwas gestorben ist.

MYRMEKOLOGIN Ich bin hier, weil ihr von mir wissen wollt, ob ihr lebendig genug seid, um nicht von Ameisen gefressen zu werden? Ihr bezeichnet euch als Untote.

UNTOTER Wir benutzen einen Begriff, der uns klar von sterbenden Menschen abgrenzt.

MYRMEKOLOGIN Ameisen waren schon lange da, bevor es Menschen überhaupt gab. Und Ameisen werden auch noch da sein, wenn es längst keine Menschen mehr gibt, und auch keine Untoten mehr.

UNTOTER Das ist mal eine steile These, würde ich behaupten!

Beide lachen.

MYRMEKOLOGIN Rein evolutionsbiologisch gibt es Organismen aus einzelnen Zellen oder aus vielen Zellen – wie beispielsweise der Mensch oder eine Gurke. Auf der nächsten Stufe sind Superorganismen aus vielen Zellen, die zudem mit einem gemeinsamen Ziel arbeiten. Bienen etwa, oder –

UNTOTER Ameisen …

UNTOTER Aber wenn nicht mehr gestorben werden würde, dann wären sie sozusagen arbeitslos.

MYRMEKOLOGIN Ihr seid wirklich überzeugt von dem, was ihr da macht.

UNTOTER Eine wachsende Anzahl Follower:innen beweist, dass das Bedürfnis danach, nicht zu sterben, ein sehr reales ist.

MYRMEKOLOGIN Ja, weil ihr allen hier erzählt, dass es eine Kleinigkeit ist, das eigene Leben zu verlängern, und dass alle das könnten, wenn sie nur wollten.

Untote lachen.

UNTOTER Also, wenn wir zwei Normalos das hinkriegen –

UNTOTER – kriegen das auch andere hin.

UNTOTER Wir empfehlen eine DNA-Diät inklusive rigoroser kalorischer Restriktion.

UNTOTER Und mindestens 13.000 Schritte am Tag.

UNTOTER Dienstags, donnerstags und sonntags Gewichtstemmen.

UNTOTER Montags eine Joggingeinheit, samstags und sonntags Kickboxen und Tennis.

UNTOTER Freitags Rest Day –

UNTOTER Yoga!

UNTOTER Ein guter Haufen aus Pillen und Pulver.

UNTOTER Vitamin D.

UNTOTER Omega 3.

UNTOTER Kreatin.

UNTOTER Taurin.

UNTOTER Kollagenangereichertes Wasser zum Duschen.

UNTOTER Regt das Zellwachstum an.

UNTOTER High-Protein-Rezepte.

UNTOTER Das alles findet ihr übrigens auf unserer Homepage un­dead:unscripted.com im Shop.

UNTOTER Stimmt, momentan gibt es unseren FIRE SALE mit einer Gratis-Infusion pro Bestellung – das ganze Alphabet an Vitaminen mit einem Schuss.

MYRMEKOLOGIN Wir Menschen erneuern uns durch Zerfall.

UNTOTER Und trotzdem ist mein Rektum so fit wie mit 18 Jahren!

MYRMEKOLOGIN Ich habe nicht gefragt.

UNTOTER Wenn du für immer gesund bleiben könntest, würdest du dann nicht auch ewig leben wollen?

MYRMEKOLOGIN Die Medizin kann das Altern nicht aufhalten, sie verlängert schlicht das Sterben.

UNTOTER Das ist eine ziemlich radikale Haltung für eine Wissenschaftlerin, die bei Ameisen hängen geblieben ist.

MYRMEKOLOGIN Ich erforsche einen Superorganismus, hast du vorhin nicht zugehört? Während der Mensch immer noch auf dem Level einer Gurke ist!

UNTOTER Aber wir lieben Gurken!

MYRMEKOLOGIN Auch Gurken haben ein Verfallsdatum.

UNTOTER Und dennoch bist du froh, wenn deine genmanipulierte ­Gurke länger als zwei Tage im Kühlschrank durchhält.

MYRMEKOLOGIN Solche Gurken sind klimaschädlich!

UNTOTER Nicht die unverpackten!

UNTOTER Ich weiss nicht mehr, worüber wir streiten!

MYRMEKOLOGIN Darüber, wer länger durchhält. Spoiler-Alarm, es sind die Ameisen – nicht du, nicht ich, nicht die Gurken. Ihr könnt euren Körper zwar davon abhalten zu verfallen, aber was ist mit eurer psychischen Verfassung?

UNTOTER Wie meinst du das?

MYRMEKOLOGIN Der Mensch ist nicht für die Unendlichkeit gewappnet.

UNTOTER Wirklich?

MYRMEKOLOGIN Nehmen wir mal an, ihr werdet gesund 400 Jahre alt – habt ihr keine Angst vor Langeweile?

Alles schon mehr als einmal durchlebt zu haben? Immer wieder den Beruf zu wechseln, weil wirklich niemand gerne mehr als 50 Jahre den gleichen Bullshit erledigt – und wie viele Trennungen und Abschiede erträgt ein menschliches Herz? Was, wenn euch irgendwann nichts mehr zum Lachen bringt?

UNTOTER Was ist so falsch daran, nicht sterben zu wollen? Ist das nicht die Liebeserklärung an die Welt, so wie sie ist?

MYRMEKOLOGIN Versucht doch, den Tod eher als Zustandsveränderung zu betrachten. Wenn eine Ameise stirbt, heisst es nicht, dass das ganze Nest draufgeht – sie macht Platz.

UNTOTER Ich will nicht «Platz machen».

MYRMEKOLOGIN Da haben wir’s! Darum geht es nämlich – es soll sich für euch, denen es gut geht, nichts verändern.

UNTOTER Es muss nicht immer für alle gleich gut sein.

UNTOTER Und niemand will sterben.

MYRMEKOLOGIN Niemand will sterben, der alles hat und immer noch das Gefühl von Mangel im Herzen trägt.

UNTOTER Wir existieren, ohne zu sterben, das ist alles.

MYRMEKOLOGIN Lasst mich euch von einer Ameisenart erzählen, die euch besonders gut gefallen wird. Fernab von hier lebt die tropische Holzameise in Baumwipfeln, möglichst weit weg vom Boden, möglichst weit weg von ihrem Feind – Ophiocordyceps unilateralis – ein Pilz. Doch ab und an verirrt sich eine einzelne Ameise nach unten – und der Pilz hat nur darauf gewartet: Pilzsporen setzen sich fest und Pilzfäden dringen durch den kleinen Körper, umwuchern die Muskelzellen und übernehmen bald die Kontrolle. Eine halbe Woche später beginnt die Ameise ihr Verhalten zu verändern – sie ist verwirrt, sie dreht sich im Kreis, und schliesslich verlässt sie ihr Nest. Die Ameise kann sich nicht dagegen wehren – der Pilz steuert ihr Gehirn und zwingt sie Schritt für Schritt den Baum runter, dahin, wo es wärmer und feuchter ist, dahin, wo die Luftfeuchtigkeit 90 Prozent übersteigt, und die Temperatur zwischen angenehmen 20 und 30 Grad liegt – und dann: Zwei Handbreit über dem Boden, auf der Nordseite des Baumes, lässt der Pilz die Ameise anhalten. Sie beisst sich in der dicken fetten Hauptschlagader eines Blattes fest und bleibt reglos stehen.

UNTOTER Und dann?

MYRMEKOLOGIN Nach einer Woche durchbricht der Pilz die harte Kutikula am Kopf der Ameise und wächst ihr wie eine Antenne aus dem Kopf heraus. Dann – nochmals zwei bis drei Wochen später – vermehrt sich der Pilz und lässt erneut Pilzsporen regnen.

UNTOTER Sehr appetitlich.

MYRMEKOLOGIN Moment, wisst ihr, wie diese Ameisen in der Populärwissenschaft genannt werden?

Zombie-Ameisen!

UNTOTER Sag sowas nicht.

UNTOTER Und sofort denken die Leute an hirnlose –

UNTOTER – sabbernde –

UNTOTER – willenlose –

UNTOTER Du weisst schon.

UNTOTER Stereotype aus Hollywood.

UNTOTER Wir sind keine Zombies.

MYRMEKOLOGIN Biologisch gesehen seid ihr nicht lebendig.

UNTOTER Jetzt mal halblang!

UNTOTER Ich fühl mich schon lebendig …

UNTOTER Natürlich bist du das!

UNTOTER Au!

UNTOTER Siehst du? – AU!

UNTOTER Du auch.

UNTOTER Was ist falsch daran, den Menschen mit ein, zwei Modifikationen besser machen zu wollen?

MYRMEKOLOGIN Es … es ist ethisch nicht vertretbar.

Die Untoten lachen.

MYRMEKOLOGIN Was ist daran so lustig?

UNTOTER Wir sind uns ähnlicher, als du denkst.

MYRMEKOLOGIN Bitte?

UNTOTER Du hältst die Menschheit in ihrem jetzigen Zustand für ebenso überholt wie wir. Dein Superorganismus soll die Menschen ersetzen.

UNTOTER Die Welt als Ameisenstaat – jede und jeder spielt die Rolle, die ihr oder ihm zugewiesen wurde.

UNTOTER Wir präsentieren: die Ameise!

UNTOTER Ein Zahnrädchen im System!

UNTOTER Sie studiert Biologie, um die Welt zu retten.

UNTOTER Sie hat nichts dagegen, für das grosse Ganze ihr Leben zu lassen.

MYRMEKOLOGIN So war das nicht gemeint.

UNTOTER Sie hat eine Aufgabe!

UNTOTER Ihr Leben macht endlich Sinn!

UNTOTER Der Tod ist Transformation, sagt sie, aber was, wenn er einfach nur das Ende ist?

Am Ufer.

PERSEPHONE Ich hatte einen Traum. Irgendetwas mit – Ameisen. Ich sitze da, mit zwei anderen – die – ich weiss nicht mehr genau, sie sind merkwürdig. Sie sind da, aber auch nicht da. Wir sprechen über – ich weiss nicht mehr worüber – aber ich weiss, dass sie mir nicht freundlich gesinnt sind. Ich fühle mich bedroht. Als meine Zunge kitzelt, öffne ich den Mund, und eine Ameise kommt raus. Ich nehme sie auf die Fingerkuppe, und als ich sie wegblasen will, sehe ich, dass mein ganzer Körper voller Ameisen ist. Ameisen in den Beinen. In den Armen. Im Bauch. Es fühlt sich an, als würde alles in mir zittern – und es fühlt sich gut an. Die anderen beiden starren mich an – sie haben Angst, aber ich verstehe nicht wovor. Dann sehe ich, dass die Ameisen auch auf ihren Körpern überall sind. Sie tragen deren Fleisch Stück für Stück ab, bringen die Fleischstücke zurück und legen sie mir in den Mund. Ich bin ihr Nest. Und es fühlt sich nicht so an, als wäre ich noch lebendig. Aber auch nicht so, als wäre ich tot.

FÄHRFRAU Sie sollten Ihre Träume ernst nehmen.

PERSEPHONE Ich stecke hier fest.

SCHAUSPIELER Was heisst das schon – feststecken. Ich fühle mich wohl hier.

PERSEPHONE Aber ich kann nicht bleiben.

FÄHRFRAU Wohin wollen Sie denn?

PERSEPHONE Ich lebe in einer Welt, die keine Zukunft hat, wie kann ich mir dann eine für mich ausdenken?

Ich habe nichts als Bildrauschen im Kopf.

FÄHRFRAU Die Welt ist also das Problem?

PERSEPHONE Stunden um Stunden, nächtelang, schau ich mir alles an, was ich gefilmt habe. Und wenn alles durch ist, beginne ich von vorne. Habe ich etwas übersehen? Das, was ich vor mir sehe – ja, die Welt ist das Problem.

FÄHRFRAU Nicht eher der Blick auf sie?

PERSEPHONE Mein Blick ändert nichts: Wir sind am Ende der Zeit - sie stirbt.

FÄHRFRAU Die Zeit kennt kein Ende. Vielleicht die Menschheit.

SCHAUSPIELER Die Menschheit ist verirrt – niemand weiss mehr wohin und wo der eigene Platz ist –

PERSEPHONE Oder eher: Einige finden keinen Platz, weil andere ihren nicht teilen wollen.

SCHAUSPIELER Sind Sie sicher, dass Sie mich nicht erkennen?

PERSEPHONE Tut mir leid.

FÄHRFRAU Sag ich doch.

SCHAUSPIELER Was?

FÄHRFRAU Du könntest …

SCHAUSPIELER Ja?

FÄHRFRAU Wenn dich niemand mehr …

SCHAUSPIELER Nein!

FÄHRFRAU Hoffnungslose Fälle – alle beide!

SCHAUSPIELER Wenigstens wurden wir nicht vergessen.

FÄHRFRAU Sie haben mich nicht vergessen!

PERSEPHONE Wer?

SCHAUSPIELER Die Fährfrauen*. Sie ist eine Fährfrau.

PERSEPHONE Eine Fährfrau mit einem Retreat namens HAPPY DYING?

FÄHRFRAU Wie heissen Sie nochmal?

SCHAUSPIELER Sie braucht Hilfe.

PERSEPHONE Wofür?

SCHAUSPIELER Um über den Fluss zu kommen.

PERSEPHONE Diesen gefrorenen Fluss?

FÄHRFRAU Er ist nicht gefroren – lediglich etwas unbeweglich.

PERSEPHONE Wenn sie Hilfe braucht, wieso helfen Sie ihr nicht?

SCHAUSPIELER Sehen Sie – ich bin einfach zu früh.

Darum warte ich sicherheitshalber noch etwas.

Wenn ich einfach so – gehen –

und dann doch noch gebraucht werden würde –

das wäre, nun ja, nicht gut.

Es heisst, dass manche auch zurück –

FÄHRFRAU Es gibt kein Zurück, nur ein –

SCHAUSPIELER Ja, ja, ein Davor, ein Danach – Oben, Unten, ist doch jetzt egal!

PERSEPHONE Sie wollen auf die andere Seite?

FÄHRFRAU Es gibt keine zwei Seiten, dieser Fluss hat mehr Ufer als Sie Körperzellen.

PERSEPHONE Und das hier ist das Ufer, an dem eine Fährfrau zurückgelassen wurde?

FÄHRFRAU Das hier ist das Ufer, an dem eine Fährfrau geblieben ist, als die anderen gegangen sind.

Die Fährfrauen* hatten sich hier niedergelassen, weil sie in die Flüsse verliebt waren, denn die Flüsse sind Chaos. Die Fährfrauen* sind Wesen, die mehr als Frauen sind und manchmal auch keine Frauen, und die einen Körper haben, und manchmal auch keinen Körper. Wenn ein Mensch einen Übergang durchschreiten musste, suchte er die Fährfrauen* auf. Sie navigierten die Welten und sie sorgten sich um sie. Und weil sie sich um sie sorgten, wussten sie um das Gewicht der Übergänge – dass sie da sind, um durchschritten zu werden.

Fährfrauen* lieben das Wasser. Manchmal fürchten sie es auch. Es heisst, dass Fährfrauen* ihre Angst als Navigationshilfe zu nutzen wissen.

Wer einen Fluss überqueren will, muss loslassen, was schwer fällt, loszulassen, sagen die Fährfrauen*. Sie wissen, dass die Angst nur grösser wird, wenn man ihr nicht zuhört. Sie packen die Angst am Kragen wie einen Welpen, der unerlaubterweise auf den Teppich pisst.

Es stinkt – sagt eine Fährfrau.

Sie ist die letzte Fährfrau. Es hat sie müde gemacht, die anderen nach und nach verschwinden zu sehen. In ihrer Fähre fährt sie von A nach B, von B nach A, von A nach B, von B nach A. Wenn sie angekommen ist, kehrt sie wieder um. Sie bringt andere von A nach B und von B nach A. Sie vergisst, dass die Fährfrauen* die Welt navigiert haben. Früher nahmen die Menschen die Fähre, um mit der Fährfrau zu sprechen. Das von A-nach-B-Kommen war ein Ergebnis des Gesprächs. Dann aber kamen sie zur Fährfrau*, weil sie ein Schiff brauchten, dass sie von A nach B bringt. Sie denken nicht darüber nach, dass die Fährfrau da ist. Die Fährfrau ist Requisit ihrer eigenen Fähre. Sie beginnt zu schweigen.

Und dann kam niemand mehr: Die Menschen fürchten sich vor Übergängen, vor allem vor dem einen Übergang, von dem sie denken, dass es der letzte ist. Sie bleiben davor stehen, und so stapeln sich die Geister im Fluss vor den Füssen der Fährfrau. Stapeln sich zu einem Haufen, einem Hügel, einer Mauer voller Angst, einer Mauer voller Dinge, über die nicht gesprochen wird. Und sie selbst, die Fährfrau*, die ihr Leben lang nichts anderes gemacht hat, kann keine Fähre mehr rufen.

PERSEPHONE Wieso sind die Fährfrauen* verschwunden?

FÄHRFRAU Auch die Fährfrauen* lassen irgendwann los – ziehen weiter. Nur kamen dann keine mehr nach.

PERSEPHONE Rufen Sie Ihre Fähre, ich muss hier weg.

FÄHRFRAU Das ist kein Taxi-Dienst.

PERSEPHONE Versuchen Sie es doch wenigstens.

SCHAUSPIELER Sie hat gerufen. Und dann kamen Sie.

PERSEPHONE Ich?

SCHAUSPIELER Ich sagte doch, sie braucht Ihre Hilfe.

PERSEPHONE Also kann ich sie rufen?

FÄHRFRAU Sie sind nicht bereit.

PERSEPHONE Weil ich bei Ihrem Ritual nicht mitmache.

FÄHRFRAU Es gibt kein Ritual, das dafür sorgt, dass sich die DINGE von allein regeln.

PERSEPHONE Wieso dann das ganze Theater?

FÄHRFRAU Das Ritual ist eine künstliche Zäsur. Es zeigt uns, was wir sonst nicht sehen: dass wir immer schon im Übergang sind.

Und – wir können es weitergeben.

PERSEPHONE Ich weiss, was Sie vorhaben.

FÄHRFRAU Weisst du, wie eine Fähre funktioniert?

PERSEPHONE Sie schwimmt?

FÄHRFRAU Wir betrachten die Strömung: ihre Geschwindigkeit, die Wasserhöhe, den Druck – und dann setzen wir den Keil so, wie wir ihn brauchen, um weiterzukommen. Wir richten ihn aus, und das Wasser bewegt dann die ganze Fähre in eine Richtung. Oft wissen wir nicht, wohin genau es geht – die Strömung ist unberechenbar. Der Punkt ist: Wir bewegen uns trotzdem weiter.

PERSEPHONE Ich kann keine Fährfrau* werden.

SCHAUSPIELER Es wäre eine Möglichkeit, wegzukommen.

Du könntest zumindest so tun, als ob. Ich kann dir zeigen, wie –

FÄHRFRAU Jetzt ist es sowieso zu spät.

PERSEPHONE Aber ich kann nicht hierbleiben.

FÄHRFRAU Ich kann Ihnen nicht mehr helfen.

PERSEPHONE Also gut – ich versuche es.

FÄHRFRAU Es nützt nichts.

PERSEPHONE An alle Abwesenden, alle, die – helfen Sie mir!

SCHAUSPIELER Alle, die hier sind, und alle, die –

gewesen sind – die nicht mehr wirklich –

die mause – also hinüber – gefallen und –

PERSEPHONE Und die dazwischen! Die dazwischen, die, die noch nicht gegangen sind, und die, die noch gehen werden –

SCHAUSPIELER Und die – die gerne gegangen wären –

PERSEPHONE – die, die zu spät gegangen sind –

SCHAUSPIELER – die, die unerwartet – einfach so –

PERSEPHONE – die, die unbemerkt gegangen sind –

SCHAUSPIELER – die sich zersetzen –

PERSEPHONE – die sich widersetzen –

SCHAUSPIELER – die, die längst hätten gehen sollen –

PERSEPHONE Und die, die noch nicht hätten gehen sollen.

Und die, die denken, dass sie niemals gehen werden, die, die glauben, dass sie immer da sein werden, dass sich nichts verändert, und die, die wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, weil sie so furchtbare Angst davor haben, dass ihnen jemand etwas wegnimmt, und noch mehr Angst davor, vergessen zu werden.

An diejenigen, die gegangen sind, obwohl sie nie richtig – da – waren.

An diejenigen –

An diejenigen, die –

An diejenigen, die sterben wollten, weil es einfacher war als –

Aushalten – als – dableiben.

Funktioniert es?

FÄHRFRAU Ich bin unsicher.

PERSEPHONE Dann versuchen wir es weiter –

Jetzt kommt dieser Ich-rede-mit-mir-selbst-Teil, oder?

FÄHRFRAU Mit dem sterbenden Ich.

PERSEPHONE Ok. Kommen Sie.

SCHAUSPIELER Ich?

PERSEPHONE Ich brauche Sie.

SCHAUSPIELER Wen soll ich spielen?

PERSEPHONE: Mich.

SCHAUSPIELER Einen Moment noch –

Warten.

FÄHRFRAU Das ist nicht so kompliziert.

SCHAUSPIELER Es ist dennoch eine Rolle.

FÄHRFRAU Du sollst nur nachsprechen!

SCHAUSPIELER Nur nachsprechen?!

PERSEPHONE Geht das jetzt von vorne los?

SCHAUSPIELER Entschuldigung.

PERSEPHONE Wie weiter?

FÄHRFRAU Letzte Worte.

PERSEPHONE Also gut.

SCHAUSPIELER Sie schaffen das.

PERSEPHONE Bereit?

SCHAUSPIELER Bereit.

PERSEPHONE Schade, dass du jetzt gehen musst.

SCHAUSPIELER Schade, dass du jetzt gehen musst.

PERSEPHONE Du hast das ganz gut gemacht.

SCHAUSPIELER Du hast das ganz gut gemacht.

PERSEPHONE Ich wünschte –

SCHAUSPIELER Ich wünschte –

PERSEPHONE – du hättest nicht so viel Angst gehabt.

SCHAUSPIELER – du hättest nicht so viel Angst gehabt.

PERSEPHONE Ich wünschte –

SCHAUSPIELER Ich wünschte –

PERSEPHONE Du hättest gewusst: Es ist in Ordnung, nicht zu wissen, wohin.

SCHAUSPIELER Du hättest gewusst: Es ist in Ordnung, nicht zu wissen, wohin.

PERSEPHONE Ich wünschte, du könntest manchmal einfach wirklich daran glauben, dass alles schon irgendwie einen Sinn macht – und wenn nicht für die Welt, dann wenigstens für dich.

Ich wünschte, du hättest dir mehr Zeit genommen, die Dinge zu sehen, wie sie sind – ohne dann nicht zu flüchten.

Ich wünschte, du hättest gelernt, die Dinge auszuhalten und trotzdem da zu sein.

Ich wünschte – ich wünschte – du wärst entspannter gewesen, lauter,
kämpferischer, geduldiger, ungeduldiger, zärtlicher – und vor allem wünschte ich, dass du dich manchmal einfach gehalten hättest inmitten all der Leere, bis daraus wieder etwas werden kann.

PERSEPHONE RUFT DIE FÄHRE[1]

 


[1] If the sadness of life makes you tired / And the failures of men make you sigh / You can look to the time soon arriving / When this noble experiment winds down and calls it a day / Time has come now to stop being human / Time to find a new creature to be / Be a fish or a weed or a sparrow / For the earth has grown tired and all of your time has expired / [Organ Solo] / All the gardens are sprouting with flowers / All the treetops are bursting with birds / And the people all know that it’s over / They lay down all the airs and they hang up their tiresome words

– Noble Experiment, Thinking Fellers Union Local 282.

 

 

 

 

LETZTER TEIL

REENACTMENT

Auf der Fähre.

PERSEPHONE Wir fahren!

FÄHRFRAU Der Fluss bewegt sich.

SCHAUSPIELER Muss sich das so auf und ab bewegen?

FÄHRFRAU Das ist ein Fluss.

SCHAUSPIELER Und ist es üblich, dass es so knarrt?

FÄHRFRAU Es ist altes Holz.

SCHAUSPIELER Aber sie ist dicht, oder?

FÄHRFRAU Wahrscheinlich.

SCHAUSPIELER Wahrscheinlich?

FÄHRFRAU Ich habe es schon länger nicht mehr gemacht.

SCHAUSPIELER Wie beruhigend.

PERSEPHONE Das Rauschen des Flusses ist fast ein Flüstern.

FÄHRFRAU Die Geister sind in Bewegung.

SCHAUSPIELER Das Ufer ist kaum mehr zu sehen.

PERSEPHONE Und noch kein anderes in Sicht.

FÄHRFRAU Ich erinnere mich – setzen wir den Keil.

SCHAUSPIELER Also – jetzt könnten wir auch noch umkehren.

FÄHRFRAU Umkehren?

SCHAUSPIELER Ich mein ja nur. Es war nicht übel an Land.

Fester Boden unter den Füssen.

PERSEPHONE Sie müssen keine Angst haben.

SCHAUSPIELER Habe ich nicht! Ich meine nur:

Es war nicht schlecht, so wie es war.

PERSEPHONE Aber war es gut?

SCHAUSPIELER Es muss auch nicht immer für alle gleich gut sein.

PERSEPHONE Das habe ich doch schon mal gehört. Es hört sich nach einer Ausrede an.

SCHAUSPIELER Wieso kommen wir nicht weiter?

FÄHRFRAU Ich bin mir nicht sicher.

PERSEPHONE Stecken wir fest?

FÄHRFRAU Etwas stimmt nicht.

SCHAUSPIELER Ich wusste es!

FÄHRFRAU Du kannst nicht mit.

SCHAUSPIELER Meinst du mich?

FÄHRFRAU Ja, du kannst nicht mit.

SCHAUSPIELER Natürlich kann ich mit. Persephone kann zurück, also kann ich es auch.

FÄHRFRAU Persephone geht nicht zurück. Es gibt ein Vorher und ein Danach, aber kein Zurück.

SCHAUSPIELER Dann komm ich halt mit zum – Danach.

FÄHRFRAU Das geht nicht.

SCHAUSPIELER Wo sollte ich denn sonst hin? Wieso schaut ihr mich so an?

FÄHRFRAU Schau mal, das hier – das ist eine magische Fähre – sie kann dich nur dort hinbringen, wo du auch hinmusst.

SCHAUSPIELER Ich weiss genau, was ihr denkt, und das kommt nicht in Frage.

FÄHRFRAU Was denn?

SCHAUSPIELER Ich komme mit euch mit.

PERSEPHONE Sie sehen etwas blass aus.

SCHAUSPIELER Ich bin noch nicht bereit zu – abzu –

FÄHRFRAU Die Geister werden unruhig.

SCHAUSPIELER Die Geister können mich mal.

PERSEPHONE Nur wer stirbt, hat auch gelebt.

SCHAUSPIELER Sie klingen schon wie sie.

PERSEPHONE Es ist wie ein grosser letzter Auftritt. Nur umgekehrt.

SCHAUSPIELER Klar.

PERSEPHONE Versuchen Sie es wenigstens einmal.

SCHAUSPIELER Nein.

FÄHRFRAU Entweder das, oder –

SCHAUSPIELER Nein! – ich – Gut, es führt wohl kein Weg – daran – das ist jetzt also – so –

PERSEPHONE Ich zähle von 10 runter auf 0, und dann versuchen Sie es. Einverstanden?

SCHAUSPIELER Ich brauch keine Hilfe.

PERSEPHONE Gut.

Warten.

SCHAUSPIELER Vielleicht könnten Sie doch –

PERSEPHONE 10 …

9 …

8 …

7 …

6 …

SCHAUSPIELER Müsst ihr mich dabei so anschauen? Das geht so nicht, ich zähle selbst.

10 …

9 …

8 …

7 …

7 …

7 …

FÄHRFRAU 6 …

SCHAUSPIELER Danke –

6 …

5 …

4 …

4 …

4 …

PERSEPHONE 3 …

SCHAUSPIELER Ich weiss, wie es geht!

3 …

2 …

Also gut, wenn einer – also, wenn ein Mensch –

Es ist der Körper – der macht das halt.

Der – zerfällt – die Zellen, die Haare, die Haut –

alles wird weich – zergeht – bis da gar nichts mehr

nichts mehr da ist –

PERSEPHONE Da wird nicht nichts sein, nur etwas anderes.

SCHAUSPIELER

10 …

9 …

8 …

7 …

6 …

5 …

4 … einfach loslassen –

3 …

2 …

Loslassen ist wie ein Ding aus der Hand fallen zu lassen, aber es bewusst fallen lassen, denn es ist nicht so, dass es aus der Hand einfach rausfällt, eher ein Aufhören zu klammern und Aufhören sich zu krallen, an was auch immer gekrallt wird. Ihr krallt euch und ich kralle mich auch, kralle mich an Dinge, die schon da waren, gegen das Unwissen darüber, was kommt, wenn die Dinge weg sind, denn das ist das Unheimliche.

Dinge, die da sind, weil sie schon immer da waren und an die du dich krallst, weil du dich an ihnen hochgezogen hast, als du noch nicht stehen konntest, und alsbald kannst du sie nicht mehr loslassen, weil sie dich stützen, und bald bist du alt und dann brauchst du sie zum Gehen; die Dinge, die da waren und an die du dich krallst mit aller Kraft, weil sonst die Kraft ins Leere zu laufen droht; die Dinge, an die du dich krallst und die sich aber auch an dich krallen – und du magst es, weil sie dich spüren lassen, dass du da bist, dass du bist; denn du kannst etwas halten und dann halten auch andere etwas von dir, und wenn andere etwas von dir halten, dann kannst du auch etwas von dir halten.

PERSEPHONE Sie werden nicht verschwinden.

SCHAUSPIELER Wenn mich niemand mehr sieht, was bin ich dann noch?

PERSEPHONE Ich werde mich an Sie erinnern.

SCHAUSPIELER Und wenn Sie irgendwann gegangen sein werden –

PERSEPHONE Dann wird sich jemand an mich erinnern. Bis es irgendwann keine Rolle mehr spielt, ob sich jemand erinnert oder nicht. Es geht hier nicht darum, dass wir sterben, sondern wie wir es tun.

Stille.

PERSEPHONE Also, wegen Deckard.

SCHAUSPIELER Ja?

PERSEPHONE Es ist irrelevant, ob er ein Mensch war, oder ein Replikant. Was zählt, ist, dass er am Ende des Films, nicht mehr derselbe war wie am Anfang.

SCHAUSPIELER War er nicht, oder?

PERSEPHONE Nein.

Stille.

ALLE DREI:

10 …

9 …

8 …

7 …

6 …

5 …

4 …

3 …

2 …

1 …

RITUAL DER VERBUNDENHEITEN

Es ist Staub

Es ist eine Anlehnung

Es ist eine Bewegung

Es ist eine Orientierung

Es ist eine Umarmung

Es ist ein Morgen

Es ist ein Ort, an dem Körper sind

Es ist eine Zeitspanne

Es ist ein Ritual

Es ist ein Spiel

Es ist kein Spiel

Es ist ernst

Aber nicht zu spät[1]



[1] Wir sind mit vielem verbunden, und wir sind konstant verbunden, es geht gar nicht anders; die Übergänge unseres Körpers sind weniger scharf, als sie wirken, die Haut ist durchlässiger, als sie scheint – sie ist keine fixe Grenze, sondern verbindet uns mit der Umwelt, oder: Du stehst ganz nahe an einer Person, eure Unterarme berühren sich fast, so, dass die Härchen oder die Luft zwischen den Härchen zu knistern beginnt, oder: Du stehst in einem Raum, und bist alleine, aber dann ist da dieses Gefühl, nicht alleine zu sein, und wenn du dich umdrehst, siehst du, dass da eine Person ist, die dich angeschaut hat, und du weisst, dass du ihren Blick gespürt hast. Oder: Jemand ist gegangen und du spürst einfach, dass die Person nicht ganz gegangen ist, oder zwar schon gegangen, aber irgendwie noch da. Und obwohl du nicht an einen Himmel glaubst – und auch nicht an die Hölle oder sonstige andere Konzepte, welche die Menschheit erfunden hat, um sich das Gefühl von Verbundenheit über den Tod hinweg zu erklären –, glaubst du an eben dieses Gefühl. Vielleicht reicht diese Verbundenheit über das Sterben hinweg und vielleicht wird sie sogar durch die Zustandsveränderung erneuert; das, was zwischen uns ist und war, bleibt, denn Verbundenheiten sind nicht auf die Lebenden begrenzt und existieren auch dort, wo der Mensch aufhört, und die Trauer ist dazu da, eben diese Verbundenheiten zu spüren, zu heilen, zu feiern. Und Verbundheiten existieren auch dort, wo sie nicht zur Sprache werden können – denn sie sind auch Bewegungen und Berührungen und Wurzelwachsen und Nesterbauen und Systeme bilden und Flüsse graben und Runterregnen und Verdunsten und Zellen verlieren und Haarausfall und Falten und Zersetzen und Erneuern und Wiederholen und Aufwühlen und Abtragen, Wegtragen, Vergraben. Letzendlich sind wir Staub, Staub aus Partikeln aller Zeiten, Staub aus Haarzellen und Hautfetzen, Staub aus Ameisenbeinen und Resten, Staub aus Weltallwinden und Atemabfall.

 

FÄHRFRAU Nimm das Ruder.

PERSEPHONE Ich?

FÄHRFRAU Du musst es festhalten.

PERSEPHONE Wir haben Schieflage.

FÄHRFRAU Ja, das musst du aushalten.

PERSEPHONE Wie lange noch?

FÄHRFRAU Bis wir genug sind. Und wenn das Wasser stärker strömt, musst du den Keil steiler stellen. Schaffst du das?

PERSEPHONE Ja.

FÄHRFRAU Gut.

PERSEPHONE Wohin gehst du?

FÄHRFRAU Ich komme wieder.

PERSEPHONE Versprochen?

FÄHRFRAU Ja.

PERSEPHONE Schwörst du es?

FÄHRFRAU Du machst das ganz gut.

Persephone räumt die DINGE auf. Es sieht so aus, als würde alles nochmals von vorne beginnen.

 

* Der Titel ist inspiriert von einem Bild der Schweizer Malerin Meret Oppenheim (1913–1985), das den Titel «Die Rückkehr der Fährfrau» (1965) trägt.

 

Sarah Calörtscher, geboren 1999, arbeitet als freischaffende Dramaturgin und Theatermacherin in der Schweiz. Sie hat Theaterwissenschaft an der Universität Bern und Dramaturgie an der Zürcher Hochschule der Künste studiert. 2023 wurde sie mit dem Schweizer Dramatikpreis für ihr Stück «Das Happy Dying Retreat» ausgezeichnet.

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