Bericht
Das globale Upcycling-Prinzip
Was neun internationale Kuratoren für die 17. Ausgabe des Festivals Theater der Welt in Chemnitz in diesem Jahr zusammentragen
von Michael Helbing
Assoziationen: International Sachsen Dossier: Festivals Theater Chemnitz
Erschienen am 1.4.2026
In Altchemnitz lauert das Neue. Dort, in diesem Stadtteil, residiert das Schauspielhaus im fünften Jahr im „Spinnbau“. Wo einst Spinnmaschinen hergestellt wurden, rotieren seit 2021 Sinnmaschinen, um darstellende Kunst zu produzieren. Nach Schließung des erst 1980 als Neubau eröffneten und nun veralteten Schauspielhauses bezogen Sprech- und Figurentheater hier Quartier. Aus der Interimsspielstätte könnte eine dauerhafte werden, sofern sich die Stadt, wonach es derzeit aussieht, dafür entscheidet, lieber in diesen Theaterstandort zu investieren als in den angestammten.
Derart folgte man dann gleichsam einem gängigen Upcycling-Prinzip der Kunstform Theater: aus Alt mach Neu. Oder auch: Zeitgenossenschaft entsteht aus Geschichtsbewusstsein. So lässt es sich aus dem Programm der Triennale „Theater der Welt“ herauslesen, deren siebzehnte Ausgabe an achtzehn Sommertagen nach Chemnitz einlädt, womit das Kunststück gelang, die „Kulturhauptstadt Europas 2025“ ins darauffolgende Jahr hinein zu verlängern.
Der zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft siedelnde „Spinnbau“ beherbergt dafür einige der Spielstätten sowie das Festivalzentrum. Hier greift im kommenden Juni zum Beispiel das palästinensische Khashabi Theatre, das im israelischen Haifa beheimatet sowie laut Festivalintendant Stefan Schmidtke eine der eigenwilligsten Companies im Nahen Osten ist, die alte Migrationsgeschichte der Banū Hilāl-Beduinen auf. Die zog es im 11. Jahrhundert von der Arabischen Halbinsel nach Nordafrika. Khashabi entdeckte das...
Erschienen am 1.4.2026




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