Magazin
TdZ+Radau im Klangraum
Das 17. Berliner Hörspielfestival feiert ein Crossover der akustischen Künste
von Frank Kaspar
Erschienen in: Theater der Zeit: Russische Theaterkünstler im Exil (10/2026)
Assoziationen: Theaterkritiken Dossier: Festivals

Navigieren mit Fledermausohren. Aufhorchen, wenn eine Frau im Blaumann in Trickfilmmanier ihr Werkzeugarsenal zum Klingen bringt. Ausharren in beklemmender Stille, die sich von einem überfüllten Schlauchboot aus in alle Richtungen erstreckt. Das Berliner Hörspielfestival öffnet unerhörte Klangräume jenseits des Radios. Dokumentarisch und dramatisch, poetisch, musikalisch und politisch stellt das Festival der freien Hörspielszene unter Beweis, dass die Audiokunst längst überall zu Hause ist.
Im Foyer der Akademie der Künste im Tiergarten bilden Klangskulpturen bizarr geformte Inseln. Zeitgesteuerte Apparate schlagen Glocken an oder lassen mithilfe von Gebläsen Mundharmonikas ertönen. Die Künstlerin Hye Young Sin, das Kollektiv blablabor und Studierende der Berliner UdK haben einen klingenden Indoor-Garten gestaltet. Im großen Saal der Akademie entert die Hörkunst währenddessen mit akustischen Performances die Bühne.
Die Vokalistin Ute Wassermann ist beim „Vater des Happenings“ Allan Kaprow in die Schule gegangen. In ihrem rasanten Sparring mit Turntablist Joke Lanz verbinden sich live gemixte Beats und Audioschnipsel mit atemberaubender Stimmartistik. Der Soundkünstler Marc Matter jagt Interviews und Radionachrichten durch den Schredder. Im Dialog mit einer KI-Stimme mixt er daraus ein vielschichtiges Set. Schorsch Kamerun (Die Goldenen Zitronen) und Mascha Qrella spielen auf dem Festival mit frisch gegründeter Band und zelebrieren ihren Auftritt als Konzert und Klanglabor auf...
















