Thalia Theater Hamburg: Erinnern allein genügt nicht
„Deutsches Haus“ nach dem Roman von Annette Hess (UA) – Regie Jorinde Dröse, Bühne Barbara Steiner, Kostüm Juliane Kalkowski, Musik Jörg Kleemann, Choreografie Yohan Stegli, Lichtdesign Paulus Vogt
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„Deutsches Haus“ nach dem Roman von Annette Hess in der Regie von Jorinde Dröse am Thalia Theater Hamburg.Foto: Kerstin Schomburg
Gerade gewann eine vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ eingestufte Partei die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und will regieren. Fünf Tage später, zur Saisoneröffnung des Thalia Theaters, betont Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda, Rechtsextreme einfach mal machen zu lassen, damit sie sich selbst entzaubern, hätte schon bei der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler nicht funktioniert. Man müsse rechtzeitig Nein sagen und entsprechend handeln. Beginnend beispielsweise mit der Teilnahme an den Demos gegen rechts. Entsprechend soll auch die nach den Reden platzierte Uraufführung „Deutsches Haus“ verstanden werden, ein recht filmisch ausgearbeiteter Roman, aus dem Autorin Annette Hess bereits das Drehbuch der gleichnamigen TV-Serie fürs Streaming-Publikum generiert hat. Verortet im Umfeld des ersten Frankfurter Auschwitzprozesses (1963 bis 1965) kombiniert die Handlung effektvoll eine Coming-of-age- als Emanzipationsgeschichte mit Liebesrührung, Verdrängung der NS-Vergangenheit und Aufarbeitung des Holocaust.
Die bleierne war eine eiskalte Zeit. Es schneit – Schnipsel zerrissener Zeitungen rieseln als ungewollte, daher zerfetzte Erinnerungen auf die Figuren. Nüchternheit statt Häkeldeckengemütlichkeit verströmt die Bühne. Links wird im kargen Küchenkachelambiente trallalalustig Rock-’n’-Roll getanzt, der Wirtschaftswunderrausch gefeiert und die heile Familie illusioniert. Rechts stapeln sich in einem angedeuteten Büro die Akten der Verhandlung gegen Ermöglicher des industrialisierten Genozids. Anklagevertreter diskutieren über die Unfähigkeit der Justiz, Mitläufer als Mittäter zur...
Erschienen am 16.9.2026
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