Am 7. November jährt sich zum einhundertsten Mal der Sturm auf den Winterpalast, der zum Symbol der Revolution der Bolschewiki in Russland wurde. Das Jahr 1917 war eine Epochenwende, ein stürmisches Fanal des „Zeitalters der Extreme“, wie der Historiker Eric Hobsbawm das 20. Jahrhundert nannte. Theater und Film produzierten die ikonischen Bilder dazu. Der Theaterregisseur Nikolaj Jewrejnow inszenierte 1920 zum dritten Jahrestag der im Geltungsbereich des Gregorianischen Kalenders sogenannten Oktoberrevolution ein Massenspektakel mit über 10 000 Beteiligten. Ein Reenactment, das die Bilder erfand, welche die Revolution verbürgen sollten. 1928 schuf Sergej Eisenstein mit seinem Film „Oktober. Zehn Tage, die die Welt erschütterten“ nach dem Buch von John Reed weitere ikonische Bilder. Bei Hobsbawm ist zu lesen, dass während der Dreharbeiten zu „Oktober“ mehr Menschen verletzt wurden als bei dem historischen Sturm auf den Winterpalast. Die Oktoberrevolution ist ein von Bildern, Inszenierungen und Reinszenierungen überlagertes Ereignis.
Der Regisseur Milo Rau fügt sich in diese Reihe. Am 7. November ruft er zum Sturm auf den Berliner Reichstag auf. „Es ist Zeit für einen neuen politischen Universalismus“, sagt Rau. Neben dem Reenactment des Sturms auf den Winterpalast hat er deswegen das erste Weltparlament einberufen. An der Berliner Schaubühne feierte am 19. Oktober sein...