Theater der Zeit

Editorial

Erschienen in: ixypsilonzett: Diversität? – Eine Herausforderung! (05/2018)

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„Fair Play“ kennen wir aus dem Sportbereich, „Fair Trade“ aus der Entwicklungspolitik. Und jetzt gibt es auch noch „Fair Cooperation“, ein Schlüsselbegriff für den internationalen Kulturaustausch. Die Kinder- und Jugendtheater können nicht nur damit etwas anfangen, weil sie schon von jeher weltweit vernetzt sind, sie wissen auch den Diskurs aufzugreifen und produktiv zu nutzen.

Ein bewährtes Format der ASSITEJ Deutschland ist die alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltung „Directors in Theatre for Young Audiences. An International Exchange“, das vormals – in der DDR erfunden – „International Directors’ Seminar“ hieß. Es war und ist eine Werkstatt über Methoden des Inszenierens, ein Erfahrungsaustausch der Differenzen und eine Teilhabe am Vielfältigen. „Fair Cooperation“ war und ist sozusagen die DNA der Idee, ein Kennenlernen, ein Zusammentun, ein Erkenntnisgewinn. Aber wie geht das, künstlerisches Kooperieren? Was sind Gelingensbedingungen? Und was nützt das der „Cultural Diversity“?

Referenzquelle ist seit Neuestem Annika Hampels Forschungsarbeit mit eben jenem Titel: „Fair Cooperation“ (Frankfurt am Main 2014). Sie hat untersucht, was rund 80 ausgewertete Theaterprojekte zwischen indischen und deutschen Künstler_innen mit Mitteln des Goethe-Instituts an Ergebnissen lieferten. Darunter auch ein Katalog von Kriterien, der eine „Fair Cooperation“ ermöglicht, die sich wider die Hierarchisierung der Kooperationsakteure wendet und für die permanente Debatte um Gleichstellung der Vertragspartner, was Förderung und Ziele betrifft, plädiert.

Es geht also nicht nur um das Zeigen und Wahrnehmen, bei Festivals wie „Panoptikum“ oder „Schöne Aussicht“, bei „Westwind“ oder „Wildwechsel“, bei „Augenblick Mal!“ oder dem „Figurentheater der Nationen“, es geht um die alltägliche Erweiterung der Theater-Produktion für ein junges Publikum zu Theater-Koproduktionen mit Künstler_innen aus anderen Ländern und von anderen Kontinenten. In einer globalisierten Welt ist das nur konsequent, in einem Zuwanderungsland wie Deutschland zeigt das in die richtige Richtung. Künstlerisches Koproduzieren zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden ist die überzeugende Antwort auf Fremdenfeindlichkeit und Leitkulturdebatten. Eine offene Gesellschaft, in der die allgemeinen Menschenrechte ebenso gelten wie die Werte des Grundgesetzes sowie das Recht auf kulturelle Teilnahme und künstlerische Teilhabe, braucht Kooperation und Koproduktion in den Darstellenden Künsten.

Wie wird die offene Gesellschaft auf den Bühnen der Kinder- und Jugendtheater repräsentiert? Birte Werner hat sich diese Frage anhand Michael Endes Klassikers „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ gestellt. Wie ist es um das Diversitätsmanagement in den Theatern auf und hinter der Bühne sowie im Zuschauerraum bestellt, fragt Thomas Renz. Wie das in einer Stadt wie Dresden funktionieren kann, fragt Steffen Georgi die Intendantin des Theaters Junge Generation. Für einen reflektierten Umgang mit dem Begriff ‚Diversität‘ plädiert auch Ilka Borchardt in ihrem Beitrag zum Schwerpunkt dieses Heftes.

Ein einziges „Haus der Kulturen der Welt“ in Berlin ist schon lange viel zu wenig; deshalb sei die Vision erlaubt, dass zukünftig alle Kinder und Jugendtheater zu Häusern der Kulturen der Welt werden, in denen sie den permanenten Prozess des künstlerischen Koproduzierens pflegen und die interkulturellen Begegnungen zu einer transkulturellen Lebensform entwickeln – immer selbstkritisch eine „Fair Cooperation“ reflektierend.

Wolfgang Schneider

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